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Forschung Nr. 14/96 vom 20.8.1996

Erholungswert Hamburger Wälder mit über 100 Millionen Mark bewertet

Tagesgäste sind bereit, 100 Mark pro Jahr für fiktive Eintrittskarten zu zahlen

Der Erholungswert der Hamburger Wälder liegt zwischen 100 und 150 Millionen Mark jährlich. Fast 40 Prozent davon entfallen allein auf die Harburger Berge. Volksdorfer Wald, Klövensteen, Niendorfer Gehege und Duvenstedter Brook nehmen mit jeweils etwa 10 bis 20 Prozent mittlere Positionen ein. Auf kleinere Wälder wie das Bergedorfer Gehölz entfallen Anteile von unter zwei Prozent.

Diese Angaben beruhen auf einer Hochrechnung von Ergebnissen, die Peter Elsasser für seine Dissertation am Fachbereich Biologie der Universität Hamburg ermittelte. In Hamburg und im Naturpark Pfälzerwald führte er je etwa 1400 mündliche Interviews, indem er im Wald angetroffene Tagesgäste befragte, wie hoch sie die Erholungsleistung des Waldes bewerten würden. Im Pfälzerwald befragte er zusätzlich 628 Feriengäste. Danach beträgt die Zahlungsbereitschaft von Tagesgästen (für fiktive Jahres-Eintrittskarten in alle Wälder der jeweiligen Region) in beiden Untersuchungsgebieten durchschnittlich etwa 100 Mark pro Person und Jahr, mit einer Spannbreite von ± 35 Prozent in einzelnen Wäldern. Die im Pfälzerwald interviewten Feriengäste nannten im Durchschnitt eine Zahlungsbereitschaft von etwa 30 Mark pro Person (für eine "Waldtaxe", die für die gesamte Zeit ihres Aufenthalts gültig wäre).

Der überwiegende Anteil der Befragten in Hamburg (80 Prozent) nutzt die Wälder zum Spazierengehen und Wandern; Fahrradfahrer stellen weitere 16 Prozent. Auf Dauerlaufen und sonstige Aktivitäten entfallen lediglich vier Prozent. Angesichts einer durchschnittlichen Anreiseentfernung von siebeneinhalb Kilometern kommt etwa die Hälfte aller Besucherinnen und Besucher mit dem Auto zum Wald, knapp 30 Prozent erreichen ihr Ziel zu Fuß.

Unter den Besuchsmotiven spielen kontemplative Elemente eine größere Rolle als aktivitätsorientierte. Die Erwartungen an den Wald in Hamburg konzentrieren sich - zusammengefaßt - auf einen Naturraum, der von subjektiv wahrnehmbaren Zivilisationseinflüssen möglichst unberührt ist. Eine "freizeitparkartige" Ausstattung des Waldes lehnen die Besucher dagegen mehrheitlich ab. So werden die meisten Erholungseinrichtungen als ausreichend vorhanden oder sogar als störend betrachtet. Lediglich eine bessere Abfallbeseitigung wünschen sich viele. Weniger als die Hälfte der Besucher meint, ausreichend über den Wald informiert zu sein.

Die Studie zeigt, daß für die Erholungsleistung des Waldes eine erhebliche Zahlungsbereitschaft bei der Bevölkerung besteht. Diese Zahlungsbereitschaft dürfte den Wert der Holzproduktion zumindest in Hamburg deutlich übertreffen. In praktischer Hinsicht liefert die Untersuchung in erster Linie Entscheidungshilfen für Probleme, die sich in gesamtwirtschaftlicher Sicht ergeben, so zum Beispiel zur Beurteilung von Maßnahmen zum Erhalt von Waldflächen oder zur Aufforstung im Rahmen von Kosten-Nutzen-Analysen sowie zur Bewertung von Waldschäden. Zusätzlich können Empfehlungen für die Gestaltung des Erholungswaldes in Hamburg abgeleitet werden.

Peter Elsassers Arbeit liegt ein theoriegeleitetes Bewertungskonzept zugrunde, das im Rahmen umfangreicher Voruntersuchungen entwickelt und getestet wurde. Drei separate Begleitexperimente zeigen zusätzlich den möglichen Einfluß dreier vieldiskutierter Fehlerquellen der "Contingent Valuation Method" auf die Bewertung (strategisches Antwortverhalten, Zuordnungsfehler und "Informations"fehler) und ermöglichen so, die Zuverlässigkeit der Bewertungen genauer zu umreißen. Zudem hat er einen Modellrahmen entwickelt und angewendet, mit dessen Hilfe bislang weitgehend unbeachtete Stichprobenprobleme bei der Datenerhebung über "Zielgebietbefragungen" eingegrenzt werden.

Der Autor ist als Wissenschaftlicher Rat im Institut für Ökonomie der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft in Hamburg tätig.

Die Dissertation "Der Erholungswert des Waldes. Monetäre Bewertung der Erholungsleistungen ausgewählter Wälder in Deutschland" von Peter Elsasser ist kürzlich im Verlag Sauerländer, Frankfurt/M., zum Preis von 32,80 Mark erschienen.


Der Planungsstab der Universität Hamburg, 20. August 1996. Impressum.

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