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Forschung Nr. 5/97 vom 26.3.1997

Moderner Mensch noch älter als angenommen

Zeitrahmen der Entstehung des modernen Menschen muß revidiert werden

In der am 27. März 1997 erschienenen Ausgabe des englischen Wissenschaftsmagazin »Nature« berichtet ein deutsch-französisch-kenianisches Forscherteam über einen fossilen menschlichen Schädel und einen Oberschenkelknochen aus Kenia, die mit rund 270 000 bzw. 300 000 Jahren die weltweit ältesten Zeugnisse fast vollständig moderner Menschen sind. Wie einer der Autoren, der Paläoanthropologe Prof. Günter Bräuer von der Universität Hamburg feststellt, steht der recht gut erhaltene Schädel anatomisch gesehen dem des modernen sehr nahe, besitzt aber noch einige archaische Züge, wie vor allem eine wulstartige Brauenregion. Auch der Oberschenkelknochen weist in vieler Hinsicht moderne Verhältnisse auf.

Die Funde, die Richard Leakey und seinem Team vom National Museum in Nairobi vor einigen Jahren bei Ileret an der Nordostseite des Turkanasees in Kenia gelangen, konnten erst jetzt im Pariser Labor von Prof. Yuji Yokoyama mit der Uran-Zerfalls-Methode direkt datiert werden.

Das erstaunlich hohe Alter dieser fast modernen Menschen macht nach Ansicht von Günter Bräuer eine Revision des zeitlichen Rahmens der Entstehung des modernen Menschen in Afrika erforderlich. In dem »Nature«-Artikel veröffentlichen die Forscher ein neues Schema vom Entwicklungsverlauf. Danach dürfte der Übergang vom Frühmenschen »Homo erectus« zum »frühen archaischen Homo sapiens« schon vor 500 000 bis 700 000 Jahren erfolgt sein, während der fast moderne, »späte archaische Homo sapiens«, wozu die Ileret-Funde gehören, bereits vor rund 300 000 Jahren in Afrika entstanden war.


Der Planungsstab der Universität Hamburg, 27.3.1997. Impressum.

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