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2.12.99

Fritz Fischer gestorben

Der Historiker Fritz Fischer ist gestern (1.12.) abend im Alter von 91 Jahren in Hamburg gestorben. Sein Buch "Griff nach der Weltmacht", in dem er eine bewusst auf Krieg gerichtete Politik des deutschen Kaiserreiches vor 1914 nachzuweisen suchte, hatte ihn 1961 schlagartig international bekannt gemacht. "Griff nach der Weltmacht", in alle Weltsprachen übersetzt, entfesselte die sogenannte Fischer-Kontroverse, die über die engere Geschichtswissenschaft hinaus die deutsche Öffentlichkeit jahrelang bewegte.

Zuvor war Fritz Fischer nur in Fachkreisen bekannt gewesen. Geboren am 5. März 1908 in Ludwigstadt/Oberfranken, studierte er Theologie, Philosophie, Geschichte und Pädagogik in Erlangen und Berlin. 1934 schloss er das Theologiestudium mit der Promotion ab, drei Jahre später wurde er zudem im Fach Neuere Geschichte promoviert, mit einer Arbeit über "Bethmann Hollweg und der deutsche Protestantismus". Schon 1935 hatte die Berliner Universität den Siebenundzwanzigjährigen wegen seiner preisgekrönten theologischen Dissertation zum Privatdozenten ernannt. 1939 erfolgte die Umhabilitation in die Philosophische Fakultät. Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Karriere. Sieben Jahre Kriegsdienst und Gefangenschaft lagen hinter ihm, als Fischer 1947 in der Funktion eines Extraordinarius, ein Jahr später als Ordentlicher Professor für Mittlere und Neuere Geschichte die Lehrtätigkeit an der Universität Hamburg aufnahm. Er lehrte hier, trotz ehrenvoller Rufe aus dem In- und Ausland, bis zu seiner Emeritierung 1973.

Fritz Fischer hat seine Auffassung von der deutschen Schuld am Ersten Weltkrieg dann 1969 mit dem Buch "Krieg der Illusionen - Die deutsche Politik von 1911 bis 1914" noch einmal vertieft dargetan. Es erschien auch in englischen und amerikanischen Ausgaben. Als Fischer 1987 und 1988 Vorträge in Washington und Oxford hielt, war kein Hörsaal ausreichend, um alle aufzunehmen, die den bescheiden wirkenden alten Herren bestaunen wollten. 1992 fasste er in der Aufsatzsammlung "Hitler war kein Betriebsunfall" seine Thesen, die die konservative Historikerzunft, die Deutschland in den Weltkrieg nur "hineingeschlittert" sah, so sehr erregt hatten, noch einmal pointiert zusammen. Prof. Dr. Fritz Fischer war Ehrendoktor verschiedener deutscher Hochschulen und der Universität Oxford, Träger vieler nationaler und internationaler Auszeichnungen und Träger der goldenen Verdienstmedaille seiner Universität Hamburg. Hier wurde er noch zu seinem 90. Geburtstag, am 5. März 1998, mit einer großen Feierstunde im "Philosophenturm" geehrt.


Universität Hamburg, 7.12.1999. Impressum.


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