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Universität - Präsidialverwaltung - Pressestelle

9. November 2001

Aus Anlass des 63. Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November gedenkt die Universität Hamburg der Opfer des Nationalsozialismus

Die Universität Hamburg und die Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik erinnerten heute in einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung auf dem Joseph-Carlebach-Platz an die Reichspogromnacht 1938 und die Opfer des Nationalsozialismus.

Es sprachen Universitätspräsident Dr. Jürgen Lüthje, Maria Jepsen, Hamburger Bischöfin der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, Jan Simonsen, Pastor der Evangelischen Studentinnen- und Studentengemeinde sowie Dov-Levy Barsilay, Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Hamburg. Musikalisch wurde die Gedenkstunde durch die Klezmer-Gruppe "Seraphim" gestaltet.

In seiner Ansprache hob Universitätspräsident Lüthje hervor, dass der 9. November nicht nur zu einer aktiven Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit verpflichte, sondern zugleich Mahnung und Auftrag sei, sich in der Gegenwart couragiert und verantwortungsvoll für eine menschenwürdigere Welt einzusetzen:

"Für unser kollektives Gedächtnis sind Ankerpunkte der Erinnerung wichtig, an denen sich unser Selbstverständnis reiben muss. Die Pogromnacht vom 9. zum 10. November 1938 ist ein solcher Ankerpunkt, der zu einem Symbol der menschenverachtenden Diktatur des Nationalsozialismus geworden ist. Der Brand der Synagogen, die Zerstörung unzähliger jüdischer Geschäfte und Einrichtungen, die Misshandlung und Ermordung jüdischer Mitbürger - dies ist eine Zäsur in der deutschen Geschichte.

Unsere Gesellschaft muss sich immer wieder ihrer Geschichte stellen. Und gerade die Universität darf und will ihre Geschichte nicht vergessen. Die reiche jüdische Tradition gerade im Grindelviertel, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Universität, das intensive Wirken zahlreicher jüdischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind ein unauslöschlicher Teil unserer Universität. Erinnern darf aber nicht zum Selbstzweck werden, Gedenkstunden nicht zu leeren Hülsen. Sie müssen Impulse zum Nachdenken, zum Dialog, zum miteinander Reden und Leben sein."

Hierbei erwachse gerade in der konfliktgeladenen weltpolitischen Lage der Gegenwart für die Universität eine besondere Verantwortung, zum Dialog der Kulturen beizutragen und mutig und engagiert gegen jede Form der Intoleranz und Ausgrenzung einzutreten.

Lüthje: "Der heutige Tag ist auch überschattet von den Ereignissen der letzten Wochen, den furchtbaren Anschlägen von New York und ihren Folgen, die uns auf so brutale Weise in Erinnerung gerufen haben, dass wir weit entfernt sind von einer Welt des friedlichen Miteinanders. Die Universität sieht sich mehr denn je gefordert, ein Ort der internationalen Begegnung, des Austauschs und des Dialogs zu sein. Ihr Ziel ist die Internationalisierung von Bildung und Wissenschaft für eine menschenwürdigere Welt.

Begangenes Unrecht ist nicht ungeschehen zu machen. Aber wir müssen all unsere Kraft daran setzen, dass Greueltaten, wie sie am 9. November geschehen sind, nie wieder verübt werden. Wir müssen auf Besonnenheit, nicht auf Hass und Rache setzen, auf Vernunft, nicht auf Zerstörung. Antisemitismus und Rassismus sind nicht überwunden. Wegschauen, Schweigen und mangelnde Zivilcourage tragen dazu bei, sie weiter zu nähren. Wir müssen aufstehen gegen Fremdenhass, Borniertheit und Intoleranz."


Universität Hamburg, 9. November 2001. Impressum.

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