Logo der Universität Hamburg
Musikwissenschaftliches Intitut



Inhalt:

Der Komponist Mieczysław Weinberg
und der Sozialistische Realismus in der Ära Brežnev

Internationales Symposion am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Hamburg 11. bis 13. Mai 2012

Konzept und Organisation: Friedrich Geiger und Verena Mogl

 gefördert von:

  

[Hier finden Sie den Flyer zum Symposion: Weinberg_Flyer_.pdf]

Mieczysław Weinberg (1919-1996) wird gegenwärtig weltweit durch Einspielungen und Aufführungen seiner Werke – zuletzt mit überwältigendem Erfolg während der Bregenzer Festspiele 2010 – als einer der wichtigsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts entdeckt. Als polnischer Jude war Weinberg 1939 auf der Flucht vor den Nazis in die Sowjetunion gekommen, wo er von Autoritäten wie Dmitrij Šostakovič gefördert wurde. Unter Stalin erlitt er antisemitische Repressionen und kam in Haft. Erst während der Regierungszeit Leonid Brežnevs zwischen 1964 und 1982 wurde ihm zunehmend Anerkennung und Erfolg zuteil, ohne dass er jemals zu den affirmativen Staatskomponisten gezählt hätte. Vielmehr fand er offenbar Wege, sich mit der herrschenden Kunstdoktrin des Sozialistischen Realismus ohne kreative Verluste zu arrangieren.

Um diese Wege einschätzen zu können, sind die ästhetischen Maßstäbe, die sich in Weinbergs Werken greifen lassen, mit den Anforderungen der Kunstdoktrin zu vergleichen. Doch welche Anforderungen dies waren, ist gerade im Bereich der Musik noch keineswegs für alle Phasen gleichermaßen geklärt. Während sich für die Stalinzeit mittlerweile ein recht klares Bild entwerfen lässt, ist es für die Jahre danach weit weniger deutlich. An diesem Desiderat setzt die Tagung an, indem sie speziell die Ära Brežnevs fokussiert. Welche Wirkungsmacht besaß der Sozialistische Realismus in diesen Jahren für die Musik, welche Postulate erhob und welchen ideologischen Schwankungen unterlag er? Und wie lässt sich das Œuvre Weinbergs aus dieser Ära kontextualisieren und interpretieren? Da dies nur im interdisziplinären Vergleich erörtert werden kann, werden VertreterInnen der Kunstgeschichte, der Literaturwissenschaft und der Geschichtswissenschaft hinzugezogen.

(Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch.)
__________________________________________________________________________



Programm:

Freitag, 11. Mai 2012, 19 Uhr
Mieczysław Weinberg: Ein Porträt
Gesprächskonzert mit Jascha Nemtsov (Klavier / Moderation) und Julia Rebekka Adler (Viola)
Hier finden Sie Flyer zum Konzert.

Samstag, 12. Mai 2012
9:00 Begrüßung (Friedrich Geiger, Verena Mogl)

Sektion I: Der Sozialistische Realismus unter Brežnev (Moderation: Friedrich Geiger)

9:15 Ada Raev (Bamberg)
Sowjetische Kunst und Kunstdoktrin der 1960er bis 1990er Jahre

10:00 Dirk Kretzschmar (Erlangen)
Zwischen Repression und Stagnation. Sowjetische Literaturpolitik zwischen 1970 und 1985

10:45 bis 11:15: Kaffeepause

11:15 Boris Belge (Tübingen)
Der sowjetische Komponistenverband, der Sozialistische Realismus und das fragile Gleichgewicht der musikalischen Welt der Brežnev-Zeit

12:00 Dorothea Redepenning (Heidelberg)
Stagnation? Neue kompositorische Perspektiven während der Brežnev-Ära

12:45 bis 14:30: Mittagspause

14:30 Diskussion und Resümee von Sektion I

Sektion II: Weinberg im Kontext (Moderation: Verena Mogl / Friedrich Geiger)

15:30 Levon Hakopian (Moskau)
Weinberg’s position in Russian context: from an insider’s viewpoint

16:15 David Fanning (Manchester) / Michelle Assay (Paris)
Symphonies of Stagnation?

17:00 bis 17:30: Kaffepause

17:30 Verena Mogl (Hamburg)
Weinbergs Schaffen aus der Brežnev-Zeit: eine aktuelle Übersicht

18:15 Diskussion und Resümee von Sektion II

20:00 Mieczysław Weinberg: Streichquartette der Brežnev-Zeit
Gesprächskonzert mit dem Quatuor Danel, Brüssel (Moderation: Friedrich Geiger)
Hier finden Sie den Flyer zum Konzert.


Sonntag, 13. Mai 2012
Sektion III: Weinbergs Werke und die Kunstdoktrin unter Brežnev (Moderation: Friedrich Geiger / Verena Mogl)

09:30 Elena Prokhorova (Potsdam)
Berührung und Widerstand. Der Einfluss des sozialistischen Realismus auf die Entwicklung von Weinbergs Stil

10:45 Wolfgang Mende (Dresden)
Sozrealismus als Mythopoetik. Weinbergs kompositorische Arbeit am Kriegs- und Kunstmythos

11:00 bis 11:15: Kaffeepause

11:15 Friedrich Geiger (Hamburg)
Weinberg und die sowjetische Avantgarde der 1970er Jahre

12:00    Schlussdiskussion und Resümee


Weinberg_Flyer_.pdf
 

Seiteninfo: Impressum  | Kontakt | Browserinfo | Letzte Aktualisierung am 11. März 2013 durch Musikwissenschaftliches Institut
Blättern: Seitenanfang|Zur vorangehenden Seite|Zur nächsten Seite