| Forschungsstelle Materialikonographie
Seit Sommer 2000 fördert die DFG das Forschungsprojekt zum Aufbau
eines Archivs zur Materialikonographie. Das von Monika Wagner eingerichtete
Archiv dokumentiert die zunehmende Bedeutung von Materialien in der Kunst
des 20. Jahrhunderts. Damit soll ein neuer Zugang zur Analyse der Moderne,
insbesondere der Kunst nach 1945 geschaffen werden.
Nach der Ideologisierung traditioneller Naturstoffe während des Nationalsozialismus
gewannen seit den späten fünfziger Jahren Kunststoffe ebenso
wie veränderliche instabile oder amorphe Materialien in den Bildkünsten
programmatische Bedeutung. Damit wurde die Form, das tradierte Zentrum
künstlerischer Gestaltung als Resultat von Materialeigenschaften
inszeniert. Das Material gewann gegenüber der Form an Bedeutung,
so dass Bedeutungszuschreibungen an einzelne Stoffe relevant wurden, denen
sich das Projekt im Sinne einer historisch argumentierenden Materialikonographie
widmet. Zu diesem Zweck sind ein Bildarchiv und eine Literaturdatei aufgebaut
worden.
Das Bildarchiv enthält etwa 18.000 Reproduktionen, die unter 52 Schlagworten
nach Materialgesichtspunkten von Abfall bis Zelluloid geordnet sind. Parallel
dazu wird eine Literaturdatei aufgebaut, die neben Texten zur Materialforschung
in der älteren Kunst vor allem Beiträge zum Material in der
zeitgenössischen Kunst erfaßt (derzeit etwa 2000 Titel). Außerdem
werden entsprechende Publikationen erworben, so dass eine Grundlage zur
Erforschung eines bisher vernachlässigten Problems in der Kunst der
zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entsteht.
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