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Wissenschaftliche Mitglieder
Professoren
Dr. Walther v. Hahn; Dr. Wolfgang Menzel
Hochschulassistenten/Assistenten/wiss. Mitarbeiter
Jan Willers Amtrup; Kai Hübener (bis Febr. 96); Dr. Susanne Jekat; Uwe Jost; Alexandra Klein; Matthias E. Kölln (bis Mai 96); Jens-Uwe Möller; Heike Petermann; Volker Weber; Dr. Stefan Wermter
Gastwissenschaftler
Dr. Galia Angelova (Bulgarien); Joseph Chen (Taiwan); Svetlana Damianova (Bulgarien); Eva Hajicová (Tschechien); Dina Nikolaenko (Rußland); Ann-Maria Popa (Bulgarien); Richard Raban (Australien)
Allgemeiner Überblick
Ziel der Forschungsarbeiten im Arbeitsbereich NatS ist der Entwurf und die prototypische Realisierung komplexer sprachverarbeitender Systeme von der Analyse des Signals bis hin zur kommunikativen Bewertung. Vor dem Hintergrund unterschiedlicher Anwendungsbeispiele werden Voraussetzungen und Lösungsansätze für die Einbeziehung der jeweils relevanten sprachlichen Ebenen in den Verarbeitungsprozeß untersucht, wobei auf integrative Systemarchitekturen besonderer Wert gelegt wird. Während traditionell der Schwerpunkt bei den natürlichsprachigen Datenbankabfragesystemen lag, werden im Rahmen des BMBF-Verbundprojekts VERBMOBIL auch Probleme der gesprochenen Sprache bearbeitet. Für diese Arbeiten wurde ein komplettes Signalverarbeitungslabor eingerichtet, das Möglichkeiten für vielfältige experimentelle Untersuchungen bietet. Insbesondere im Zusammenhang mit dem von der Volkswagen-Stiftung geförderten Kooperationsprojekt DBR-MAT sowie dem BMBF-Verbundprojekt VERBMOBIL treten zunehmend auch Aspekte der konfrontativen Sprachverarbeitung in den Vordergrund. Gearbeitet wird an der Gestaltung von Übersetzerarbeitsplätzen sowie an speziellen Problemen des maschinellen Dolmetschens.
Forschungsschwerpunkte
Modellierung der Diskursstruktur
Satzübergreifende Information über die Struktur eines Textes bzw. eines Dialoges ist sowohl für die Spracherzeugung als auch für das Sprachverstehen unverzichtbar. So ist etwa bei der Sprachgenerierung eine explizite Diskursplanung Voraussetzung für die Erzeugung redundanzarmer, folgerichtiger und als jeweils ''angemessen'' empfundener Äußerungen. Da in die Diskursmodellierung sowohl linguistische Indikatoren als auch domänen- bzw. nutzerspezifische Aspekte einfließen, geht von ihr ein sehr starker Impuls zur Systemintegration aus. Zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten für Diskursmodelle ergeben sich bei der Verarbeitung gesprochener Sprache. Das Ziel besteht hierbei in der Ermittlung von Worthypothesen, um den Suchraum einer Worterkennung wirksam einschränken zu können.
Architektur integrierter Sprachverarbeitungssysteme
Angesichts der Vielzahl und Verschiedenheit der Komponenten, die bei der Sprachverarbeitung notwendigerweise miteinander interagieren, haben sich vereinfachende und starre Architekturentwürfe wiederholt als entscheidendes Hindernis auf dem Weg zu anspruchsvollen natürlichsprachlichen Systemen herausgestellt. Besonders extreme Anforderungen stellen hierbei Systeme für die Verarbeitung gesprochener Sprache. Im Arbeitsbereich wird daher ein interaktionsbasierter Ansatz verfolgt, der keinerlei a priori Annahmen über die erforderliche Systemstruktur macht. Bilaterale Kommunikationspfade zwischen Modulen werden erst bei aktuellem Bedarf definiert, so daß sich völlig neuartige Perspektiven für eine flexible Systemkonfigurierung ergeben und letztendlich die Systemarchitektur selbst einer experimentellen Bewertung zugänglich werden könnte. In dieses generelle Architekturkonzept fügen sich auch die Arbeiten zur Sprachanalyse ein. Angestrebt werden flexible, interaktionsbasierte Lösungen, die über geeignete Schnittstellen zur gegenseitigen Beeinflussung der Verarbeitungsprozesse verfügen. Wegen seiner prinzipiellen Offenheit eignet sich das Architekturkonzept vor allem als Grundlage für die Realisierung hybrider Verarbeitungssysteme. Von besonderem Interesse sind dabei die Methoden und Konsequenzen der Einbeziehung konnektionistischer Verfahren.
Konfrontative Sprachverarbeitung
Neben den international sehr intensiv betriebenen Forschungen zur Maschinellen Übersetzung bietet die Entwicklung von spezialisierten Arbeitsplätzen für Humanübersetzer einen weiteren erfolgversprechenden Weg zur Befriedigung des ständig steigenden Übersetzungsbedarfs. Dabei sollen erstmalig Ergebnisse der Computerlinguistik und der wissensbasierten Sprachverarbeitung zusammengeführt werden, um eine Bedienoberfläche zu schaffen, die eine weitgehende strukturelle Verwandschaft zu den kognitiven Aktionen aufweist, wie sie ein Übersetzer subjektiv für gegeben ansieht. Völlig neuartige, bisher noch nie untersuchte Forschungsfelder ergeben sich durch die Arbeit an Systemen zum automatischen Dolmetschen. Erforderlich ist dazu ein systematisches Studium des menschlichen Vorbilds, die Festlegung von geeigneten und gleichzeitig realistischen Szenarien und schließlich auch die Erarbeitung von fundierten Thesen zur Nutzerakzeptanz.
Kongreßorganisation
Preisverleihungen
W. Menzel: ECAI-94 Best Paper Award, European Conference on Artificial Intelligence, Amsterdam, (August 1994)
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Anwendung in der Praxis
Die im Rahmen des Drittmittelprojektes Verbmobil gewonnenen Erfahrungen auf dem Gebiet der automatischen Spracherkennung und -verarbeitung sollen unter anderem auch in ein neues Drittmittelprojekt einfließen, bei dem Flugzeugmotoren-Wartungsberichte mittels Spracheingabe erfaßt werden sollen. Zu diesem Zweck gab es in 1996 Vorgespräche mit den Verantwortlichen der Lufthansa-Werft in Hamburg-Fuhlsbüttel.
Weiterbildungsangebote
siehe Projekt STRUCTRAIN
Technische Ausstattung
Der Arbeitsbereich NatS verfolgt im wesentlichen zwei Linien der Rechnerausstattung, ein Sun-Cluster und ein Macintosh-Netz. Beide sind an verschiedenen Stellen - etwa beim Fileserver - miteinander integriert. Dem Arbeitsbereich stehen aus Haushaltsmitteln sieben Sun-Clients, ein IBM PS/2 und zwei Macintosh-Rechner zur Verfügung. Im Rahmen von Drittmittelprojekten wurden darüber hinaus sechs weitere Sun-Workstations, das Zubehör des Sun-Clusters, fünf Macintosh-Rechner und zwei Nixdorf-PCs angeschafft.
Ausstattungsmängel
Mit drei wissenschaftlichen Mitarbeitern sind die Drittmittelaktivitäten und deren Akquisition gerade noch zu schaffen, wird der Stab aber durch Sparmaßmahmen reduziert, so behält der Arbeitsbereich kaum genügend Kontinuität, um einen für Drittmittel nötigen seriösen Forschungshintergrund aufrecht zu erhalten.
Drittmittel 1996
| Fördereinrichtung | Betrag |
| BMFT - VERBMOBIL | 5.308.931 |
| VW-Stiftung - DB-MAT | 160.000 |
| DFG - VESUV | 105.000 |
| Gesamtförderung | 5.573.931 |
Periodische Veröffentlichungen
Forschungsprojekte
| 18.070.01 | Ein Deutsch-Bulgarisches Übersetzungs-Unterstützungs-System (DB-MAT) |
| 18.070.02 | Entwicklung eines mobilen Systems zur Übersetzung von Verhandlungsdialogen in face-to-face Situationen (VERBMOBIL) |
| 18.070.03 | Fehlertolerante Verarbeitung spontaner Sprache (VESUV) |
| 18.070.04 | Deutsch-Bulgarisch-Rumänisches Übersetzungs-Unterstützungssystem (DBR-MAT) |
| 18.070.05 | Reorganisation der Informatik-Lehrerausbildung in Rumänien (STRUCTRAIN) |
| 18.070.06 | SpeechCAD |
| 18.070.07 | Generierung natürlichsprachlicher Texte |
| 18.070.08 | Robuste und zeitsensitive Analyse natürlicher Sprache |
| 18.070.09 | Modellierung gesprochener Dialoge unter Zuhilfenahme maschineller Lernverfahren |
| 18.070.10 | Wissensakquisition aus Texten |