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Zu den Projekten

Institut für Humanbiologie

Allende-Platz 2, 20146 Hamburg, Tel.: 4123-2271


Wissenschaftliche Mitglieder

Professoren
Dr. Günter Bräuer; Dr. Virendra Chopra; Dr. Rainer Knußmann; Dr. Alexander Rodewald

Dozentin
PD Dr. Kerrin Christiansen

Gastwissenschaftler
Dr. A.B. Das Chaudhuri (Indien); Dr. Patricia Cuenca (Costa Rica); Joyceline Gerra (Philippinen); Dr. Christina Glavce (Rumänien) (Sept. 94 - Okt. 96); Prof. R.L. Jantz (Tennessee/USA); Toetik Koesbardiati (Indonesien); Dr. Agripina Lungeanu (Rumänien) (Nov. 95 - Sept. 96); Dr. Audax Mabulla (Tanzania) (Aug. 95 - Aug. 95); Prof. C.C. Magori (Tanzania); Prof. K.C. Malhotra (Indien); Prof. S.L. Malik (Indien); E. Mbua (Kenia); Dr. Abdalla Nabulsi (Jordanien); Dr. Chandal Nasser (Brasilien); Prof.Dr. Petre Raicu (Rumänien) (Sept. 95 - Sept. 95); Dr. B.M. Reddy (Indien); Prof. F. Smith (Tennessee/USA); Prof. D. Tumen (Mongelei); Prof.Dr. Dennis Werner (Brasilien) (Sept. 94 - Sept. 95); Prof. Wu Xinzhi (China)

Allgemeiner Überblick

Das Institut für Humanbiologie wurde mit dem Haushaltsjahr 1973 als "Anthropologisches Institut" wiedergegründet und konnte bis zum Jahre 1994 auf einen Lehrkörperumfang von 5 Personen (4 Professoren und 1 C2-Dozentin) aufgebaut werden, allerdings derzeit ohne nachrangige Wissenschaftler-Planstellen. Heute umfaßt das Institut gemäß Verwaltungsgliederungsplan die beiden Arbeitsbereiche

die in Forschung und Lehre eng verwoben zusammenarbeiten.

Die Strukturplanung des Instituts (StEKo) sieht vor, daß bei gleichzeitiger Schaffung von Nachwuchsstellen drei Professuren erhalten bleiben sollen, durch die die folgenden drei Richtungen in Forschung und Lehre vertreten sein sollen:

Forschungsschwerpunkte

Die derzeitigen Forschungsaktivitäten des Instituts können im wesentlichen bereits den drei genannten Arbeitsgebieten zugewiesen werden.

Paläanthropologie/prähistorische Anthropologie

Die Rekonstruktion der Entstehungsgeschichte des Menschen stellt ein international aktuelles und expandierendes Forschungsgebiet der Anthropologie dar. Dies zeigt sich nicht zuletzt auch in dem großen Interesse der Medien an den fast laufend neuentdeckten Fossilfunden und anderen Erkenntnissen über unsere Ahnen. Auf diesem Forschungsgebiet darf sich das Institut aufgrund seiner zahlreichen internationalen Aktivitäten und Kooperationen mit Kollegen aus Kenia (National Museum), Tanzania (University of Dar-es-Salaam), Südafrika (University of Stellenbosch), China (Academia Sinica) sowie USA (University of Chicago) und Europa (Natural History Museum London) als innerhalb der BRD führend und als weltweit beachtet bezeichnen. So wurde eine ganze Reihe wertvoller Fossilien vom Institut erstuntersucht oder analysiert, z.T. in Zusammenarbeit mit so bekannten Persönlichkeiten wie Richard Leakey. Gegenwärtig befindet sich nicht nur der aufsehenerregende neue Unterkiefer des Dmanisi/Georgien, der über 1 Million Jahre alt ist, in Bearbeitung durch das Institut, sondern auch ein spektakulärer Fund aus Kenia, der neues Licht auf die Wurzeln des modernen Menschen in Afrika wirft.

Neben der Entstehungsgeschichte des Menschen befaßt sich das Institut mit der Analyse von Skelettresten aus historischer Zeit, vor allem aus dem Mittelalter Norddeutschlands, für die das Institut in diesem Raum die einzige Anlaufstelle darstellt. Vor allem in Zusammenarbeit mit dem Amt für Vor- und Frühgeschichte in Lübeck werden seit vielen Jahren entsprechende Skelettbearbeitungen durch das Institut bzw. Drittmittelbedienstete vorgenommen. Besonders erwähnenswert sind die derzeit im Institut anlaufenden Paläo-DNA-Untersuchungen (zur Bestimmung des Geschlechts an der Erbsubstanz aus überliefertem Knochengewebe).

Die internationale Reputation der Hamburger Paläanthropologie zeigt sich auch in Einladungen, Lehrtätigkeiten und Publikationen.

Konstitutionsanthropologie/Psychobiologie

Die Forschung des Instituts am lebenden Menschen stehen unter starker Berücksichtigung psychobiologischer Aspekte. Wie in der Psychologie ist es in der Biologie in den letzten Jahren ein hochaktueller Trend geworden, menschliches Verhalten in der komplexen Wechselwirkung von Umwelt- und ererbten Faktoren verstehen zu können, anstatt es nur einseitig entweder aus psychologischer, soziologischer oder biologischer Sicht zu erforschen. Als ein seit vielen Jahren wiederholt drittmittelgefördertes Projekt sind hier Studien an Stichproben aus Hamburg, Namibia (San, Bantu) und Rumänien (in Zusammenarbeit mit der Univ. Bukarest) zur Wechselwirkung von Sexualhormonspiegel einerseits und somatischen Merkmalen und Verhalten andererseits zu nennen - Studien, die u.a. einen Beitrag zum Verständnis somatischer Variabilität (z.B. Behaarungsmerkmale) und zur Interpretation von Verhaltensunterschieden innerhalb und zwischen den Geschlechtern liefern. Bezüglich der namibischen Stichprobe wurde der Korrelation von Sexualhormonspiegel, Hemisphärenspezialisation und kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang mit unterschiedlichen ökologischen Bedingungen (Ackerbau, Sammler/Jäger) nachgegangen. Im Unkreis dieser Studien stehen einige weitere Arbeiten, so über die Wahrnehmung und Wertung geschlechtsspezifischer Geruchsstoffe mit vermutlich Pheromoncharakter, über kognitive Leistungsfähigkeit im Zusammenhang mit Geschlechtsrollenidentifikation und Sexualhormonspiegel und über verschiedene biologische und evolutionspsychologische Aspekte der Partnerwahl (z.T. in Zusammenarbeit mit dem Anthropologischen Institut der Universität Kiel und dem Research Institute of Family Affairs, Toyota/Japan). Hinzu kommen u.a. Studien über Hormonsubstitution, psychisches Wohlbefinden und geistige Leistungsfähigkeit beim alternden Mann, über Reaktionen der Hypophysen-Gonaden-Achse auf Streßbelastungen in Abhängigkeit von Streßverarbeitungsstrategien sowie über psychosomatische Korrelate der Fertilität (letztere in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Institut für Fortpflanzungsmedizin und Endokrinologie). Insbesondere die drei zuletzt genannten Forschungsbereiche besitzen eine hohe Praxisrelevanz, da die Ergebnisse unmittelbar im medizinischen und psychosozialen Bereich umgesetzt werden können. Für die HauptfachstudentInnen bietet sich hier eine gute Möglichkeit, sich mit entsprechender Ausbildung und einschlägiger Magister- bzw. Diplomarbeit als gefragte(r) Experte(in) im Gesundheitsbereich zu profilieren.

Neben diesen Untersuchungen wird im Institut in geringem Umfang auch zu Problemen des Wachstums und zu Fragestellungen industrieanthropologischer bzw. arbeitsmedizinischer Relevanz gearbeitet.

Populationsgenetik/Zytogenetik/Molekulargenetik

Seit Jahren laufen am Institut drittmittelgeförderte populationsgenetische Studien, ganz überwiegend in Zusammenarbeit mit international anerkannten Forschungszentren (Zentrum für Anthropologische Forschung der Akademie der Wissenschaft und dem Lehrstuhl Genetik der Fakultät für Biologie der Universität Bukarest/Rumänien; Research Centre for Medical Genetics and Ecogenetics, Russian Academy of Medical Sciences Moskau/Rußland; Department of Biology, Embryology and Genetic der Universidade Federal de Santa Catarina, Florianópolis/brasilien; Instituto de Investigaciones en Salud, Universidad de Costa Rica, San José/Costa Rica; Department of Anthropology, University of Dehli/Indien; Indian Statistical Institute, Kalkutta/Indien; Laboratory Bioanthropology and Paleoanthropology, Yogyarta/Indonesien; University of Oxford/england; Department of Anthropology Knoxville, Tennesee/USA). Diese Studien beziehen sich auf Polymorphismen des Blutes (Antigene der Blutzellen-Oberfläche, Isoenzyme, Serum-Eiweiße), schließen aber häufig auch chromosomale Varianten sowie auch morphologische Merkmale (vor allem Hautleistensystem) ein. Dazu standen Bevölkerungsstichproben aus verschiedenen Teilen der Erde, überwiegend aus Übersee, zur Verfügung, nämlich vor allem aus dem Nahen Osten, aus Indien, aus Ost- und Süd-Afrika und aus Lateinamerika. Derzeit werden die Untersuchungen auf Polymorphismen der Erdsubstanz (DNA-Fingerprint) ausgedehnt, und zwar anhand von Stichproben aus Deutschland, den Karpaten, Sibirien (in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Institut für Medizinische Genetik und Populationsgenetik) und Brasilien.

Die serogenetischen, zytogenetischen und dermatoglyphischen Untersuchungen im Institut beinhalten nicht nur populationsgenetische Fragestellungen, sondern erstrecken sich häufig auch auf Patientengut, um Beiträge zur Artiologie und Diagnostik genetisch bedingter Krankheiten zu leisten. Von ätiologischer Bedeutung ist vor allem der Nachweis von Assoziationen zwischen Blutmerkmalsvarianten und Krankheiten. Die erarbeiteten diagnostischen Möglichkeiten sind für Screening-Programme und Erarbeitung relevant. Unter den Studien an Patientengut steht im Institut vor allem ein mehrjähriges Projekt in Zusammenarbeit mit dem Werner-Otto-Institut, den Alsterdorfer Anstalten und der Kinderklinik Altona (gefördert durch die Werner-Otto-Stiftung) im Vordergrund, das die Anwendung anthropologischer Methoden und Merkmale in der Erforschung der Ätiologie, in der Diagnose und in der Charakterisierung genetisch bedingter Dysmorphie-Syndrome zum Gegenstand hat. Ebenfalls besonderes Interesse kommt einem Forschungsprojekt zur Tumorzytogenetik zu, in dem der zytogenetische Status von soliden Tumoren (speziell Hirntumore und Prostatakarzinome) sowie Struktur, Funktion und Lage der Nukleolus-organisierenden Region erfaßt werden.

Kongreßorganisation

Forschungsaufenthalte

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Anwendung in der Praxis

Unmittelbare praktische Bedeutung von Forschungsergebnissen besteht im Bereich der morphologischen Begutachtung (Identifikationsfragen), der serogenetischen und biochemischen Vaterschaftsdiagnostik und der medizinischen Humangenetik (Diagnostik, insbesondere Tumordiagnostik und Diagnostik genetischer Syndrome; Erbberatung). Eine hohe Praxisrelevanz besitzen auch die Ergebnisse der psychobiologischen Forschung, die unmittelbar im medizinischen und psychosozialen Bereich umgesetzt werden können.

Weiterbildungsangebote

Bei den Lehrinhalten des Instituts handelt es sich um allgemein übliche Themen der Humanbiologie (zuzüglich Biostatistik-Unterricht). Auf Anregung des Anthropologischen Instituts und Museums der Universität Zürich ist ein Lehraustausch mit diesem Institut im Rahmen des Erasmus-Programms in Planung. Zu den im folgenden charakterisierten Lehrveranstaltungen ist in Klammern angegeben, für welche Studierende die Teilnahme Pflicht ist (DB = Diplom-Biologie-Studierende im Grundstudium; HB = Diplom-Biologie-Studierende mit Hauptfach Humanbiologie; MA = Magister-Studierende mit Hauptfach Anthropologie; LA = Lehramtsstudierende mit dem Fach Biologie).

Einführungsvorlesungen


Spezialvorlesungen (HB, MA)

Grundpraktika für Lehramtsstudierende

Aufbaupraktika (HB, MA)

Seminare
Verschiedene Themen, und zwar vor allem solche, die nicht zur Behandlung in Praktika geeignet sind.

Technische Ausstattung

An speziellen Forschungseinrichtungen stehen zur Verfügung:


Hinzu kommen ein anthropometrisches Instrumentarium, mehrere umfangreiche Skelettserien, eine Lehrsammlung und eine etwa 6000 Bände umfassende Bibliothek.

Ausstattungsmängel

Der Aufbau des Instituts wurde durch die schlechte Finanzlage, die gerade zum Zeitpunkt der Wiedergründung begann, stark behindert. Besonders in räumlicher Hinsicht und bezüglich Verbrauchsmaterial bestehen erhebliche Engpässe. Außerdem fehlen dem Institut Nachwuchsstellen.

Drittmittel 1996

FördereinrichtungBetrag
DFG 15.500
DAAD 2.100
Amt f. Vor- u. Frühgeschichte, Lübeck 70.000
Werner-Otto-Stiftung 12.600
Gesamtförderung 100.200

Periodische Veröffentlichungen


Forschungsprojekte

14.040.01Die evolutive Differenzierung von Homo erectus in Afrika, Asien und Europa
14.040.02Die evolutive Differenzierung von Homo sapiens in Afrika, Asien und Europa
14.040.03Mittelalterliche Bevölkerung des Ostseeraums
14.040.04Menschliches Skelettmaterial der mykenischen und geometrischen Periode aus Tiryns (Peloponnes)
14.040.05Anwendung multivariater statistischer Verfahren für Bevölkerungsvergleiche
14.040.06Vergleichende bevölkerungswissenschaftliche Analysen des generativen Verhaltens von Paaren in Deutschland und Japan sowie des großelterlichen Fürsorgeverhaltens im Vergleich Deutschland - Griechenland
14.040.07Psychobiologische Aspekte der Reproduktionsfähigkeit des Menschen
14.040.08Psychologische Differenzierung als Korrelat geschlechtsspezifischer Sozialisation, Geschlechtsrollenidentifikation und somatischer Androgynie
14.040.09Differentielle Reaktion der Hypophysen-Gonaden-Achse auf Streß und Streßantizipation
14.040.10Der Zusammenhang von Körperbau, insbesondere Body Composition, Hormonspiegel, körperlichem Training und Geschlechtsrollenidentifikation bei Frauen und Female-to-Male Transvestiten
14.040.11Alterungsprozesse bei Frauen und Männern: Die Rolle von gonadalen und adrenalen Hormonen für körperliche und psychische Veränderungen
14.040.12Osteologische Variabilität beim rezenten Menschen
14.040.13Wachstum, Reifung und Konstitution des Menschen
14.040.14Psychosomatische Korrelationen in der Geschlechteranthropologie
14.040.15Der hormonelle Status bei Frauen in bestimmten Lebensphasen
14.040.16Geschlechteranthropologische Untersuchungen zum Sexualhormonspiegel und seinen Korrelaten
14.040.17Menschliche Partnerwahl
14.040.18Populationsgenetische Studien in Übersee
14.040.19Screening-Programm von Chromosomenaberrationen
14.040.20Hautleistendiagnostik und Screening-Programm beim Down-Syndrom
14.040.21Anthropogenetische Untersuchungen bei Familien mit genetisch bedingten Krankheiten
14.040.22Zytogenetische und serogenetische Untersuchungen bei soliden Tumoren

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