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Wissenschaftliche Mitglieder
Professoren
Dr. Ludwig Gerhardt; Dr Mechthild Reh (seit Okt. 94); Dr.Dr. Siegbert Uhlig
Dozenten
Joseph A. McIntyre; Barwani Sauda; Dr. Mikael Wolde (bis Sept. 95)
Hochschulassistenten/Assistenten/wiss. Mitarbeiter
Davit Berhanu; Verena Böll; Ulrike Frühwald; Dr. Roland Kießling; Dr. Hilke Meyer-Bahlburg; PD Dr. Bairu Tafla
Gastwissenschaftler
Dr. Amsalu Aklilu
Allgemeiner Überblick
Afrikanistik untersucht die sprachlichen und - soweit auf diese rückführbar - gesellschaftlichen und kulturellen Verhältnisse auf dem afrikanischen Kontinent. Damit ist die Afrikanistik primär Teil einer umfassenden Wissenschaft von der menschlichen Sprache (Linguistik), hat aber zugleich eine starke gesellschaftswissenschaftliche und kulturhistorische Komponente. Die Forschungsarbeit am Seminar wird im wesentlichen in Form individueller, jeweils von einem/r Wissenschaftler/in allein durchgeführter und von seiner/ihrer Interessenlage her bestimmten Forschungsvorhaben betrieben. Neben der Einzelforschung sind in den letzten Jahren allerdings zunehmend Projekte in Angriff genommen worden, die von mehreren Seminarmitgliedern gemeinsam bearbeitet werden, wenn entweder die linguistischen Fragestellungen Sprachen oder Sprachfamilien übergreifen, oder wenn Fragen das gesamte Fach betreffen.
Anders als in der Afrikanistik liegt im Arbeitsbereich Äthiopistik der Schwerpunkt in Forschung und Lehre auf den Gebieten Philologie und traditioneller Kultur, die bis in die vorchristliche Zeit zurückreicht, sich seit dem 4. Jh. n. Chr. aber als unverwechselbar christlich-semitische Kultur dokumentiert.
Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsschwerpunkte innnerhalb der afrikanistischen Sprachwissenschaft liegen geographisch im Raum Westafrika, hier besonders das Tschadseebecken und sein geographisches Umfeld und - seit Berufung von Prof. Mechthild Reh - in Ost und Nordost-Afrika, hier besonders das Grenzgebiet zwischen Sudan und Äthiopien sowie Uganda.
Inhaltlich und methodisch geht es um Dokumentation und Analyse der in diesen Gebieten gesprochenen Sprachen. (Hausa, Nigerianische Plateau-Sprachen, Sprachen des Bantu-Grenzbereiches, Nilosaharanische Sprachen). Dazu kommen Fragen der Typologie afrikanischer Sprachen sowie Rekonstruktion sprachlicher Elemente und Rekonstruktion sozio-historischer Szenarien, die zur Erklärung von Sprachwandel beitragen können.
Der ostafrikanische Raum wird im Zusammenhang mit der seit 1909 kontinuierlich gelehrten Sprache Ki-Swahili, der bedeutendsten Verkehrssprache Ostafrikas, in Forschungen von L. Gerhardt und S. Barwani (Lektorin für Ki-Swahili) sowie durch die Forschungen zu den südkuschitischen Sprachen (Iraqw, Burunge) durch Roland Kießling, mit einbezogen.
Anders als die lingustisch ausgerichtete allgemeine Afrikanistik ist die Äthiopistik primär philologisch orientiert, wobei Themenkomplexen aus Theologie und Geschichte eine besondere Bedeutung zukommen. Zentrale Arbeitsbereiche sind dabei die Erfassung und Beschreibung äthiopischer Handschriften und die Erarbeitung von Grundlagenmaterialien für das Studium der Äthiopistik (Wörterbuch, Handbuch zur Äthiopistik) sowie die Veröffentlichungen wichtiger Gattungen der umfangreichen Literatur, aber auch die Geschichte der Außenbeziehungen Äthiopiens (B. Tafla). Die äthiopistischen Forschungen werden begleitet durch die Sprachvermittlung des Lektors für Amharisch.
Kongreßorganisation
Preisverleihungen
Dr. Kießling wurde von der Hamburger Wissenschaftlichen Stiftung mit dem Kurt-Hartwig-Siemens-Preis von 1995 für seine Forschungen in den südkuschitischen Sprachen ausgezeichnet.
Forschungsaufenthalte
Roland Kießling, Tanzania, Feldforschung zum Alagwa (Aug.-Okt. 1996)
Mechthild Reh, Äthiopien (Sept. - Okt. 1995)
Sauda Barwani, M.A., Zanzibar (Juni - Sept. 1996)
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Es bestehen informelle, zum Teil weit zurückreichende und intensive Kontake zu nigerianischen Universitäten (Ibadan, Maiduguri, Jos) zur Universität Niamey (Niger) und zur Universität Yaounde (Kamerun).
Zu verschiedenen Instituten der Universität Addis Abeba (Äthiopien) bestehen Kooperationsabkommen. Durch die vom Seminar herausgegebene Zeitschrift "Afrika und Übersee" - das älteste Fachorgan der Welt - steht das Seminar mit einer großen Zahl von afrikanischen Instituten in aller Welt im Publikationsaustausch.
Zur Vorbereitung von Universitätspartnerschaften mit den südafrikanischen Universitäten von Kapstadt und Stellenbosch hielt sich Prof. Gerhardt im September 1995 in Südafrika auf. Mit der Universität Stellenbosch ist inzwischen ein Editionsprojekt begonnen worden, das 1998 zum Abschluß kommen wird. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.
Prof. Reh unterhält mit dem Institute of Linguistics der Addis Abeba University Kontakte, die dem Ziel der Dokumentation und Analyse nilosahanischer Sprachen dienen.
Im November 1995 nahm sie im Auftrag der GTZ in Malawi an einer Konferenz zur Verschriftlichung malawischer Sprachen teilt.
Anwendung in der Praxis
Praxisfelder für die Umsetzung afrikanistischer Forschungsarbeiten sind vor allem (a) Standardisierung und Modernisierung (Entwicklung von Fachterminologien) afrikanischer Sprachen (dies geschieht primär durch die Organisation von Fachtagungen, Publikationen und Thematisierung in der Aus- und Weiterbildung), (b) Herstellung von Materialien zur Alphabetisierung und Postalphabetisierung in afrikanischen Sprachen (E. Wolff: Lamang-Projekt), (c) Ausbildungshilfe für afrikanische Nachwuchswissenschaftler, (d) Herstellung pädagogischer Materialien für den Fremdsprachenunterricht (Hausa: J. McIntyre, H. Meyer-Bahlburg, E. Wolff; Ki-Swahili: L. Gerhardt, S. Barwani; Amharisch: Amasalu Aklilu-Uhlig).
Ausstattungsmängel
Angesichts der Tatsache, daß im Prinzip ca. 1200 Sprachen, ihre Literaturen und verwandtschaftlichen Zusammenhänge in mehr als 50 Staaten eines ganzen Kontinents den Forschungsgegenstand bilden, ist die personelle Ausstattung an Professoren (1 C4-Professor für Äthiopistik, 1 C4-Professor und 1 C2-Professor für die Linguistik Gesamtafrikas) unzureichend.
Die über mehr als 24.000 Bände umfassende Bibliothek zählt, vor allem wegen ihrer älteren Bestände, zu den weltweit Besten des Faches. Mit der vorhandenen halben Bibliothekarstelle ist sie nicht sachgerecht zu verwalten.
Drittmittel 1996
| Fördereinrichtung | Betrag |
| DFG | 58.000 |
| SOCRATES | 4.000 |
| Hamburger Wiss. Stiftung | 5.000 |
| Johanna- u. Fritz Buch-Gedächnisstift. | 3.700 |
| Sponsoren aus der Hamburger Wirtschaft | 1.500 |
| VW-Stift. | 12.000 |
| Gesamtförderung | 84.200 |
Periodische Veröffentlichungen
Forschungsprojekte
| 10.050.01 | Wissenschaftsgeschichte Afrikanistik |
| 10.050.02 | Plateausprachen Nordnigerias |
| 10.050.03 | Erforschung der peripheren Bantusprachen |
| 10.050.04 | Edition von Iraqw-Texten aus dem Nachlaß von Dr. Paul Berger |
| 10.050.05 | Erarbeitung von Unterrichtsmaterial für den Swahili-Unterricht |
| 10.050.06 | Dokumentation und Edition von Mandinka-Texten |
| 10.050.07 | Wahrnehmungsebenen und Realitätswidergabe in der modernen afrikanischen Literatur |
| 10.050.08 | Hausa in the Media/Hausa-Medienwortschatz |
| 10.050.09 | Experiencer-Kodierung in afrikanischen Sprachen typologisch gesehen: Formen und ihre Motivierungen |
| 10.050.10 | Die Geschichte Eritreas 1941-1962 |
| 10.050.11 | Geschichte Äthiopiens 1500-1974: Geschichte der Außenbeziehungen Äthiopiens |
| 10.050.12 | Novum Testamentum Aethiopice: Die katholischen Briefe |
| 10.050.13 | Novum Testamentum Aethiopice: Die Gefangenschaftsbriefe |
| 10.050.14 | Sachlexikon der Äthiopistik |
| 10.050.15 | Damians Schrift über Glaube, Religion und Brauchtum der Äthiopier aus dem Jahre 1540 |
| 10.050.16 | Deutsch-Amharisch Wörterbuch |
| 10.050.17 | Mehrsprachigkeit, Sprachkontakt, Sprachpolitik und Sprachplanung in Afrika |
| 10.050.18 | Die grammatische Struktur des Hausa (Westafrika) in synchronischer und diachronischer Perspektive |
| 10.050.19 | Sprache und Kultur Lamang-sprechender Bevölkerungsgruppen in Nordnigeria/ Nordkamerun |
| 10.050.20 | Vergleichende Untersuchungen zur Phonologie und Morphologie in den Tschadischen Sprachen |
| 10.050.21 | Novum Testamentum Aethiopice: The Synoptic Gospels, III. Teil: Matthäus Evangelium |