nächster Bericht
Zu den Projekten

Kunstgeschichtliches Seminar

Moorweidenstraße 18, 20148 Hamburg, Tel.: 4123-3261


Wissenschaftliche Mitglieder

Professoren
Dr. Hermann Hipp; Dr. Wolfgang Kemp; Dr. Bruno Reudenbach; Dr. Monika Wagner; Dr. Martin Warnke

Dozent
Dr. Fritz Jacobs

Hochschulassistenten/Assistenten/wiss. Mitarbeiter
Dr. Andreas Köstler (Okt. 96 - Okt. 97); Andrea-Martina Kunz (Sept. 96 - Sept. 97); Dr. Karen Michels (bis Juni 97); Dr. Jürgen Müller; PD Dr. Charlotte Schoell-Glass; Dr. Silke Tammen

Allgemeiner Überblick

Auch im Zeitraum von 1994-1996 blieb die Beanspruchung durch Lehre, Prüfungs- und Gutachtertätigkeit konstant hoch, wie allein die Zahl von 27 abgeschlossenen Dissertationen und 80 abgeschlossenen Magisterarbeiten zeigt. Durch diese Belastungen, aber auch durch Ausstattungsmängel, vor allem die zunehmend unbefriedigende Raumsituation, sind die erschwerten Bedingungen, unter denen Forschungstätigkeit am Kunstgeschichtlichen Seminar dennoch geleistet wird, charakterisiert.

Forschungsschwerpunkte

Die Forschungsinteressen am Kunstgeschichtlichen Seminar bewegen sich, trotz unterschiedlicher thematischer Schwerpunkte, im wesentlichen in vier Richtungen: in eine solche, der die sozialgeschichtlichen Implikationen künstlerischen Handelns wichtig ist, in eine, die in Anknüpfung an die Hamburger Tradition die Möglichkeiten ikonographischer Forschung befragt und weiterentwickelt, weiterhin in eine wissenschaftsgeschichtliche, die, ausgehend von der Bedeutung der Hamburger Kunstgeschichte vor 1933, deren Voraussetzungen und Wirkungen untersucht, schließlich in bildtheoretische Untersuchungen, die sich auf Grundsatzfragen wie das Material der bildenden Kunst, auf Rezeptions- und Erzählstrukturen etc. richten.
Die Interessensrichtungen haben sich in Publikationen zu den verschiedensten Themen niedergeschlagen und insbesondere im Berichtszeitraum weiter verdichtet in durch drittmittelgeförderte Forschungsvorhaben: Das Graduiertenkolleg "Politische Ikonographie" (seit WS 1990/91) wurde 1996 um weitere drei Jahre verlängert. Die "Forschungsstelle Politische Ikonographie - Index zur Politischen Ikonographie", deren Aufbau die Verleihung des Leibniz-Preises der DFG an Prof. Warnke 1991 ermöglicht hatte (1996 abgeschlossen), wurde weiter ausgebaut. Das im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms "Wissenschaftsemigration" 1989 begonnene Projekt "Wissenschaftsemigration deutschsprachiger Kunsthistoriker" wurde weitergeführt. 1994 wurde von Prof. Wagner ein "Archiv der DDR-Kunst" begonnen aufzubauen, das eine eigene Bibliothek, ein ikonographisch erschlossenes Bildarchiv sowie eine Dokumentation der Rezeption der DDR-Kunst umfaßt, um die Grundlagen für eine Analyse der DDR-Kunst zu schaffen. Das ebenfalls von Prof. Wagner betreute, 1991 begonnene Projekt "Materialbedeutung in der Kunst der Moderne" wurde weitergeführt. Weitergeführt wurden ebenfalls die Forschungsprojekte von Prof. Hipp "Deutsche Renaissance" und "Hamburg". Betreut von Prof. Reudenbach wurde 1996 das Forschungsprojekt "Medialität mittelalterlicher Reliquiare" entwickelt, welches den Reliquienbehälter als multimediales Gerät, das Vorstellungen von Heiligkeit, Körper, Tradition und Erinnerung vermittelt, untersucht und historisch bewertet.
Ein besonderes Augenmerk galt der Vermittlung von Ergebnissen aktueller kunstgeschichtlicher Forschung an eine breitere Öffentlichkeit durch die intensive Nutzung entsprechender Publikationsorgane (überregionale Presse) oder Publikationsformen (Reiseführer, Ausstellungskataloge). In diesem Zusammenhang ist zudem auf die Veranstaltungen des Warburg-Hauses (Ausstellungen, öffentliche Vorträge etc.) zu verweisen.

Kongreßorganisation

Preisverleihungen

Prof. Hipp wurde 1995 die "Lappenberg-Medaille" des Vereins für Hamburgische Geschichte verliehen, und er erhielt 1996 den "Max-Brauer-Preis" der Stiftung F.S.V.

Forschungsaufenthalte

Dr. Charlotte Schoell-Glass war für das akademische Jahr 1996/97 als Temporary Member an das Institute for Advanced Study in Princetown, N.J., eingeladen.

Wissenschaftliche Zusammenarbeit

Durch Gastaufenthalte von Seminarmitgliedern an in- und ausländischen Universitäten und Forschungseinrichtungen, durch Gastvorträge und Herausgebertätigkeit ergaben sich vielfältige Kontakte zu anderen Universitäten und WissenschaftlerInnen. Aufgrund von Assoziierungen, Mitgliedschaften in Beiräten und Vorständen bestehen enge Verbindungen u.a. zur Getty-Stiftung, zur Herzog-August-Bibliothek (Wolfenbüttel), zum Warburg-Institute in London.
Die Verbindungen zu Museen und Denkmalpflege in Hamburg wurden durch Publikationen wie durch Lehraufträge an MitarbeiterInnen dieser Institutionen gepflegt. Im Rahmen des Graduiertenkollegs wurde weiterhin ein kontinuierlicher Austausch mit den Nachbardisziplinen Archäologie, Geschichte und Politikwissenschaft ermöglicht.

Anwendung in der Praxis

Durch Mitarbeit bei Ausstellungen und Publikationen wurde die Zusammenarbeit mit Hamburger Museen fortgesetzt. Besondere Bemühungen galten, teilweise in enger Verbindung mit dem Denkmalschutzamt oder dem Hamburger Architekturarchiv, der Architekturgeschichte Hamburgs, so die Inventarisation der Kunstdenkmäler der Hamburger City.
Auf den Medienort Hamburg ist in besonderer Weise der Forschungsschwerpunkt "Politische Ikonographie" bezogen, insofern hier die Prägung der gegenwärtigen politischen Kultur durch Zeichen und Bilder an der Geschichte des Mediums "Bild" und seiner politischen Wirkungsmöglichkeiten überprüft werden können.

Ausstattungsmängel

Die größte Schwierigkeit für Lehr- und Forschungsbetrieb stellt die völlig unbefriedigende Raumsituation dar, die es nicht erlaubt, die zur Verfügung stehenden Ressourcen, auch die eingeworbenen Drittmittel, angemessen einzusetzen. Abhilfe ist durch die Fertigstellung der Flügelbauten im Herbst 1998 zu erwarten.

Drittmittel 1996

FördereinrichtungBetrag
Leibniz-Preis 462.800
DFG - WA 623/4-1 27.200
Gesamtförderung 490.000


Forschungsprojekte

9.020.01Barockskulptur
9.020.02Untersuchungen zur Geschichte von Architektur und Städtebau in Hamburg
9.020.03Die Architektur der "Deutschen Renaissance" um 1600
9.020.04Graduiertenkolleg: Politische Ikonographie
9.020.05Transplantierte Kunstgeschichte - Der Wandel einer Disziplin als Folge der Emigration deutschsprachiger Kunsthistoriker in die USA
9.020.06Das Herrscherbild in Spätantike und Mittelalter
9.020.07Medialität mittelalterlicher Reliquiare
9.020.08Aby Warburg und der Antisemitismus: Kulturwissenschaft als Geistespolitik
9.020.09Spanische Kunst des Spätmittelalters und ihre europäische Rezeption
9.020.10Studien zur Lesbarkeit der Bible moraliseé im 13. Jh.: Konstruktion von Christianitas und Marginalisierung des "Anderen" im Frankreich des 13. Jhs.
9.020.11Ideale Heiligkeit - ideale Weiblichkeit? Studien zur Ikonographie weiblicher Heiliger 13.-15. Jh.
9.020.12Allegorien in der Moderne
9.020.13Materialbedeutung in der Kunst der Moderne
9.020.14Archiv der DDR-Kunst
9.020.15Politische Ikonographie
9.020.16Neu-Edition von Jacob Burckhardts Beiträgen zur Kunstgeschichte von Italien und des Cicerone

nach oben