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Wissenschaftliche Mitglieder
Professoren
Dr. Burkhard Fehr; Dr. Georg Niemeyer; Dr. Renate Rolle; Dr. Ortwin Smailus; Dr. Peter Zazoff; Dr. Helmut Ziegert
Hochschulassistenten/Assistenten/wiss. Mitarbeiter
Dr. Frank A. Andraschko; Anja Eckert; Dr. Claudine Hartau; Dr. Christoph Höcker (Okt. 94 - Juni 96); Dr. Marion Meyer (bis März 96); Rainer B. Michl; Anja Naschinski (bis Sept. 94); Elisabeth Noll; Angela Rindelaub; Martina Seifert; Kirsten Stolley de Gamez (April 95 - März 96); Annett Stülzebach (seit Okt. 94); Martin Weigand (Mai 94 - Aug. 95)
Gastwissenschaftler
Dr. Lambert Schneider; Dr. Petro P. Tolovcko (seit 96)
Allgemeiner Überblick
Das Archäologische Institut ist gegliedert in die folgenden sieben Arbeitsbereiche mit den entsprechenden Forschungsschwerpunkten:
| I. | Urgeschichte des Menschen und Vor- und Frühgeschichte Afrikas
| II. | Vor- und Frühgeschichte Europas
| III. | Griechische Archäologie
| IV. | Römische Archäologie
| V. | Ägyptologie (s. FB 10)
| VI. | Altorientalistik (s. FB 10)
| VII. | Altamerikanische Sprachen und Kulturen
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Das Archäologische Institut der Universität Hamburg wurde im Jahre 1975 formell gegründet und 1982 auch räumlich zusammengeführt. Die Einrichtung ist durch die Verbindung verschiedener Disziplinen in ihre Weise einzigartig in der Bundesrepublik. Die Arbeitsbereiche sind nicht nur hinsichtlich der Gegenstandsfelder zu unterscheiden, sondern auch in ihren Fragestellungen trotz wichtiger Verbindungen und Überschneidungen differenziert zu betrachten. Dies gilt in gleicher Weise für die Lehre wie für die Forschung.
Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsprojekte des Archäologischen Instituts sind zum einen durch die unterschiedlichen Gegenstandsbereiche und Methodenschwerpunkte der Fächer wie auch die persönlichen Interessen der Wissenschaftler bestimmt, zum anderen durch das Bemühen, in die archäologische Forschung fachübergreifende Problemstellungen und entsprechende methodische und wissenschaftstheoretische Aspekte einzuführen. Gemeinsam ist die Frage nach Formen und Funktionen alter und fremder kultureller Erscheinungen, wie sie sich materiell und visuell ebenso wie auch sprachlich niederschlagen. Dabei stehen Fragen der Ethnohistorie und des Kulturwandels, das Verhältnis von Kontinuität und historischer Entwicklung im Vordergrund. Während die Arbeitsbereiche I bis IV - teils sachbedingt, teils auch aus wissenschaftsgeschichtlichen Ursachen - primär von materiellen und im besonderen von visuell gestalteten Zeugnissen der Vergangenheit ausgehen, wird die Forschung in den Arbeitsbereichen V bis VII in starkem Ausmaß auch von sprachwissenschaftlichen Methoden geprägt. Im Arbeitsbereich VII stehen daneben in hohem Maße Methoden und Fragestellungen aus der Ethnohistorie und der Kulturanthropologie im Vordergrund.
Zum Forschungsprogramm gehören insbesondere auch Projekte, die in ihrem Ansatz, ihrem Gegenstandsbereich und ihren Methoden über das traditionelle Arbeitsfeld archäologischer Fächer hinausgehen. Hierzu gehört die Einbeziehung wirtschafts- und sozialwissenschaftlicher Theorien und Methoden. Die Nutzung solcher Ansätze für die archäologische Forschung erfordert die Zusammenarbeit mit Vertretern entsprechender Fächer außerhalb des Instituts.
Zu den Forschungszielen des Instituts gehört auch die Erarbeitung von Modellen für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit, die zwischen Forschungsintentionen und öffentlichem Interesse sinnvoll vermitteln kann.
Urgeschichte des Menschen und Vor- und Frühgeschichte Afrikas (Arbeitsbereich I)
Im Zentrum steht die Erforschung der Entwicklung des Menschen und der Anpassung an extreme Umweltbedingungen sowie an ökologische Veränderungen und seines davon geprägten Kulturverhaltens. Die Untersuchungen sind in und am Südrand der Sahara einerseits, in Mitteleuropa andererseits angesiedelt und sollten Kulturabläufe während und nach den Eiszeiten anschaulich machen. Sie erfolgen in enger interdisziplinärer Zusammenarbeit mit den Geowissenschaften und anderen Natur- und Kulturwissenschaften. Unter dem Thema "Landschaftsentwicklung und Besiedlungsgeschichte" werden exemplarisch in Norddeutschland die Wechselwirkungen Mensch-Umwelt untersucht, vor allem auch der Eingriff des Menschen in die Umwelt seit Beginn der Seßhaftigkeit und der Prozeß der bewußten Landschaftsveränderungen (Sahel-Problematik) und ihre Auswirkungen auf das Siedlungs- und Kulturverhalten der Völker untersucht. Ein Sonderaspekt ist die Neolithisierung des subsaharischen Afrikas. Die Forschungen werden langfristig durch Problem-Ausgrabungen und unterstützende theoretische Arbeiten durchgeführt.
Vor- und Frühgeschichte Europas (Arbeitsbereich II)
Schwerpunkte des Arbeitsbereiches sind archäologische Feldforschungen in der Ukraine (Großes Burgwallsystem von Bel'sk bei Poltava) und die Auswertung der Grabungsergebnisse in der Siedlung des 4. und 1. Jahrhunderts v.Ch. auf Elephantine (Oberägypten). Außerdem laufen verschiedene Publikationsvorhaben, die die Ergebnisse der Konferenz "Osteuropäische Reiternomaden" in Schleswig 1991 und die deutschsprachige Version "Königskurgan {vC}ertomlyk" im Rahmen der Hamburger Beiträge zur Archäologie aufbereiten. Durchgeführt und auch für die Zukunft geplant wird eine weitere Intensivierung der Zusammenarbeit mit den verschiedenen archäologischen Institutionen der heutigen GUS-Staaten.
Griechische Archäologie und Römische Archäologie (Arbeitsbereiche III und IV)
Die Hamburger Klassische Archäologie betreut in Forschung und Lehre neben ihrem Kerngebiet, der griechisch-römischen Kultur, wichtige und geschichtsrelevante sogenannte "Rand- oder Nachbarkulturen" der klassischen Antike im Vorderen Orient sowie in Ost- und Westeuropa. Beispiele hierfür sind etwa die Phönizische sowie die Thrakische und Skythische Archäologie. In der Phönizischen Archäologie wird, ausgehend von gemeinsam mit den Deutschen Archäologischen Instituten in Madrid und Rom betriebenen und von dort sowie von der DFG geförderten Ausgrabungen, die geschichtliche Rolle der phönizischen Kultur im Rahmen der Entstehung des antiken - mediterranen - Europa neu beschrieben.
In diesem Zusammenhang wurden im Berichtszeitraum Grabungskampagnen in Karthago (zwei Kampagnen, Bereich der archaischen Stadt) durchgeführt. Bei den Forschungen zur Thrakischen und Skythischen Archäologie sind in Kooperation mit der Universität und den Akademien der Wissenschaften in Sofia und St. Petersburg grundlegend neue Forschungsansätze zur Vermittlung von Kultur und ihrer Rezeption in diesen Regionen erprobt worden (Förderung durch DFG).
Daneben sind die theoriebezogenen Arbeiten zur Einbeziehung von Semiotik und moderner Rezeptionsforschung in die Archäologie zu nennen, die auch international als "Hamburger Schule" diskutiert werden.
Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt in Forschung und Lehre sind die sozialen und ökonomischen Strukturprobleme der antiken Stadtkultur.
Schließlich bildet die Untersuchung der modernen "trivialen", meist kommerziellen Verwendungszusammenhänge und Verwertungsformen der antiken Kultur (z.B. in Antikenfilmen, Comics, Werbung, Souvenir-Industrie) und ihrer Präsentationsformen in den Massenmedien ein wichtiges Forschungsfeld der Hamburger Klassischen Archäologie. Seit 1992 ist in eigens von der Universität angemieteten Räumen in der Grindelallee ein Teil der von der Hamburger Kunsthalle übernommenen Sammlung von Gipsabgüssen griechischer und römischer Plastik aufgestellt. Die wertvolle Sammlung wird von den Arbeitsbereichen III und IV regelmäßig für die akademische Lehre sowie für die Forschung eingesetzt; sie ist an bestimmten Tagen auch für Öffentlichkeit zugänglich und wird zunehmend genutzt.
Altamerikanische Sprachen und Kulturen (Arbeitsbereich VII)
Einen Schwerpunkt der Forschung bilden gesellschaftliche, kognitive und sprachliche Systeme. Hierbei zielt ein größeres Forschungsprojekt auf die Untersuchung sozialisatorischer und identitätsbstimmender Prozesse bei den heutigen Kanjobal-Indianern in Guatemala. Ein weiters Projekt behandelt die Erhellung wirtschaftlicher und sozialer Strukturen Zentralmexikos in vorkolumbischer Zeit.
Die Erschließung kultureller Phänomene über die Analyse indigener Schriftzeugnisse stellt den zweiten Schwerpunkt der Forschungen dar. Hierbei wird zum einen eine Dokumentation der Sprachen Zentral-Guatemalas (Quiché und Cakchiquel) der frühen Kolonialzeit erstellt, und darauf aufbauend werden theoretische Fragen der Wortklassensystematik und Sprachentypologie behandelt. Zum anderen werden in einem Projekt zur traditionellen Literalität in der Zona Maya von Quintana Roo/Mexiko Inhalte, Formen und gesellschaftliche Funktion rezenter Mayatexte untersucht.
In beiden Schwerpunkten kommt die Funktion der Sprache als kultureller Integrationsfaktor zum Tragen.
Kongreßorganisation
Preisverleihungen
Dr. Dirk Steuernagel erhielt 1996 den Förderpreis der Dr. H. u. H. Greve Stiftung f. Wissenschaft u. Kultur für seine 1994 abgegebene Dissertation "Menschenopfer und Mord am Altar".
Forschungsaufenthalte
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Anwendung in der Praxis
Die im Archäologischen Institut zusammengeschlossenen kulturwissenschaftlichen Fächer vermitteln ihre Forschungsmethoden und -ergebnisse durch Vorträge, Ausstellungen und auch allgemeinverständliche Publikationen an eine breite Öffentlichkeit ebenso wie an spezifische Adressatengruppen (Schulen, Berufsgruppen und Vereinigungen).
Weiterbildungsangebote
Technische Ausstattung
Ausstattungsmängel
Die einzelnen Fächer bzw. Arbeitsbereiche des Instituts sind an wissenschaftlichem Personal unterschiedlich ausgestattet. Einschneidende Personalsparungen in vergangenen Jahren haben sich besonders im Servicebereich negativ ausgewirkt. Bei den Sachetats machen die derzeitigen finanziellen Kürzungen es schwer, neuen Ansprüchen gerecht zu werden und bei technischen Innovationen den Anschluß nicht zu verlieren.
Drittmittel 1996
| Fördereinrichtung | Betrag |
| priv. Spenden / Eigenbeteiligungen | 30.000 |
| Landkreis Stade | 2.500 |
| Hansische Wiss. Stift. | 6.500 |
| BAT | 5.000 |
| DFG | 100.000 |
| Auswärtiges Amt | 28.600 |
| Gesamtförderung | 172.600 |
Periodische Veröffentlichungen