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Wissenschaftliche Mitglieder
Professoren
Prof. Dr. Jürgen Deininger; Prof. Dr. Helmut Halfmann; Prof. Dr. Dietrich Hoffmann (bis Sept. 94); Prof. Dr. Joachim Molthagen
Hochschulassistenten
Dr. Michael Alpers (seit April 96); Dr. Christoph Schäfer (bis März 96)
Wiss. Mitarbeiter
Karin Jenkis (seit April 96); Jörg Köpke (seit April 96); Tatjana Moor-Freber (bis Sept. 95); Karin Schnitzer (seit Febr. 95)
Allgemeiner Überblick
Als wissenschaftliche Einrichtung mit einem begrenzten (im Berichtszeitraum durch den Wegfall einer C-2-Professur leider reduzierten) Bestand an wissenschaftlichem Personal weist das Seminar für Alte Geschichte keine in Unterabteilungen zerfallende Binnengliederung auf. Die Forschungstätigkeit ist überwiegend individuell auf die einzelnen Mitglieder des Seminars verteilt, läßt aber die dem Fach Alte Geschichte eigene erhebliche zeitliche und inhaltliche Breite hervortreten. Die Schwerpunkte reichen von der griechischen über die römische Geschichte (mit einem besonderen Schwerpunkt in der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der römischen Kaiserzeit) bis zur Spätantike und dem Aufstieg des Christentums. Neben Untersuchungen an breitgefächerten historischen Themen und dem z.Zt. in einem DFG-Schwerpunktprogramm geförderten Datenbank-Projekt zu den griechischen Inschriften des antiken Kleinasien stehen Editionsarbeiten an antiken Quellen sowie wissenschaftsgeschichtlich relevanten neueren Werken (M. Weber).
Forschungsschwerpunkte
Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt konzentriert sich auf die Sammlung, Veröffentlichung und historische Auswertung griechischer Inschriften Kleinasiens, die im Rahmen von Inschriftencorpora oder Grabungspublikationen erstellt werden und mithin in das Aufgabenfeld der Bearbeitung von originalem Quellenmaterial gehören.
Ein die griechische und die römische Geschichte verbindender Schwerpunkt ist die Untersuchung der Formen des politischen Widerstands der Griechen gegen die Expansion Roms, mit der in Angriff genommenen Ausweitung der Fragestellung auf Unteritalien und Sizilien.
In einem auf die frühe Kaiserzeit konzentrierten Projekt wird das Verhältnis von Christen und Nichtchristen untersucht, mit besonderer Berücksichtigung von Art und Anlässen der hier auftretenden Konflikte und der Eigenart der christlichen Selbstdarstellung.
Im Rahmen der Erforschung der Sozialgeschichte der römischen Kaiserzeit wird am Beispiel der Baudenkmäler und ihrer Stiftung im römischen Kleinasien der Zusammenhang zwischen der Bausubstanz einer antiken Stadt und der darin zutagetretenden Selbstdarstellung der lokalen Oberschichten als Geldgeber aufgezeigt. Als methodischer Modellfall sollen getrennte Fragestellungen und Sehweisen der archäolgischen und althistorischen Disziplinen in einem Teilbereich zusammengeführt werden.
Ein anderes, ebenfalls am Beispiel Kleinasiens orientiertes Projekt gilt der Frage nach den Möglichkeiten der Artikulation und Durchsetzung eigener Interessen von kleineren politischen Einheiten innerhalb der römischen Provinzen gegenüber der römischen Herrschaft und damit dem allgemeineren Problem einer wachsenden Zentralisierung im römischen Reich.
In einem unmittelbar vor dem Abschluß bzw. der Veröffentlichung stehenden Projekt wurde versucht, erstmals sämtliche antiken Nachrichten über die Elbe zu sammeln, zu analysieren und zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.
In einem Projekt "Epigraphische Datenbanken zum antiken Kleinasien", das die DFG im Rahmen eines Schwerpunktprogrammes fördert, werden in Fortsetzung eines in den USA begonnenen Unternehmens die Inschriften des antiken Kleinasien EDV-mäßig aufgearbeitet und gespeichert. Dadurch soll die gewaltige und verstreut publizierte Masse an Quellenmaterial mit Hilfe von Wortrecherchen allen Wissenschaftsdisziplinen der klassischen Altertumswissenschaft leichter zugänglich gemacht und erschließbar werden.
In den Bereich der historisch-kritischen Edition wissenschaftsgeschichtlich bedeutsamer Literatur der Zeit um die Jahrhundertwende gehört die Weiterführung des Projekts der Max-Weber-Gesamtausgabe, d.h. in diesem Rahmen die Bearbeitung der auf die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Altertums bezüglichen Teilbände.
Kongreßorganisation
"Norddeutsches Althistorikerkolloquium" (Prof.Dr. P. Herrmann (em.); 2 Treffen pro Semester)
Forschungsaufenthalte
Prof.Dr. J. Deininger zu Lehr- und Forschungszwecken an der Universität Bordeaux III (WS 1991/92)
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Das Projekt "Epigraphische Datenbanken" ist zwecks möglichst schneller und umfangreicher Einspeicherung von Material auf die Mitarbeit anderer Institutionen angewiesen; so besteht eine Kooperation mit der Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik des DAI (München). Die Publikation auf CD erfolgt unter Federführung des Packard Humanities Institut in den USA.
Eine über die Universität Hamburg hinausreichende Zusammenarbeit ist auch bei dem Projekt der Bearbeitung der Inschriften Kleinasiens gegeben, wo Teilaufgaben in Verbindung mit der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bzw. dem Deutschen Archäologischen Institut durchgeführt werden, des weiteren mit der "Sardis Expedition" der Harvard University.
Die Edition der altertumswissenschaftlichen Arbeiten Max Webers erfolgt in Zusammenarbeit mit den Arbeitsstellen der Max Weber-Gesamtausgabe in München (Bayerische Akademie der Wissenschaften), Düsseldorf und Heidelberg.
Ausstattungsmängel
Wichtigste Arbeitsgrundlage ist die nach Möglichkeit auf dem Laufenden gehaltene wissenschaftliche Bibliothek des Seminars, deren Ausbau allerdings durch die knappen Finanzmittel beeinträchtigt wird. Die Personalsituation und damit auch das Forschungspotential hat sich durch die Streichung einer C2-Professur im Rahmen der Sparmaßnahmen erheblich verschlechtert. Die EDV-Ausstattung konnte zwar durch Zusagen nach Bleibeverhandlungen verbessert werden; ferner wurde ein neuer Raum für das Projekt "Epigraphische Datenbanken" bezogen.
Drittmittel 1996
| Fördereinrichtung | Betrag |
| DFG | 156.800 |
| Gesamtförderung | 156.800 |
Forschungsprojekte
| 8.020.01 | Kommunalpolitik im römischen Kleinasien (im Rahmen einer Habilitation) |
| 8.020.02 | Edition: Weber, M.: Zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des Altertums. Schriften 1893-1909 (Max Weber-Gesamtausgabe, Bd. I/6) |
| 8.020.03 | Politischer Widerstand gegen die römische Expansion in den griechischen Poleis Unteritaliens und Siziliens, 327-200 v.Chr. |
| 8.020.04 | Fluvius Albis. Die Elbe in Politik und Literatur des Altertums |
| 8.020.05 | Bauwerke und ihre Stifter im römischen Kleinasien |
| 8.020.06 | Epigraphische Datenbank zum antiken Kleinasien |
| 8.020.07 | Sammlung und Veröffentlichung griechischer Inschriften aus Kleinasien |
| 8.020.08 | Das spätrömische Bewegungsheer und die Notitia dignitatum, Bd. 3: Der Oberbefehl im 4. Jh. und das Datum des Westheeres in der Notitia |
| 8.020.09 | Das Verhältnis von Christen und Nichtchristen im frühen römischen Kaiserreich (1. Jh. n.Chr.) |
| 8.020.10 | Vergleich von Softwarelösungen im Hinblick auf ihre Tauglichkeit bei der Recherche in Volltextdatenbanken auf der Basis des Beta-Code |
| 8.020.11 | Sklaven und Freigelassene in wirtschaftlichen Führungspositionen in der späten Römischen Republik und der Kaiserzeit |