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Wissenschaftliche Mitglieder
Professoren
Dr. Wolfgang Haase; Dr. Elisabeth Schulz
Dozent
Dr. Roland Berger
Gastwissenschaftler
José Santa Cruz (Peru) (April 93 - Aug. 95); Dr. Olaf Haugen (Univ. Bergen) (Jan. 94 - Dez. 94); Dr. J. Hoffmann (Berlin) (Jan. 94 - Jan. 94); Prof.Dr. Ewy Meyer (Univ. Haifa) (Aug. 96 - Okt. 96); Wang (Shanghai/VR China) (95 - 95)
Allgemeiner Überblick
Die Abteilung Pleoptik und Orthoptik ist eine bettenführende Abteilung mit einer Station für chirurgische Behandlungen: Augenmuskelchirurgie verschiedenster Indikationen und konservative Behandlung von Sehschwächen. Zahlenmäßig im Vordergrund stehen Augenbewegungsstörungen bei Stellungsfehlern und Doppeltsehen einschließlich Lähmungsschielen bei Erwachsenen, z.B. Traumata oder Tumorbehandlungen. Die Abteilung führt pro Jahr an etwa 700 Patienten Augenmuskeloperationen durch.
Neben der Station ist krankenversorgerisch auch eine Ambulanz zu führen mit verschiedenen Spezialambulanzen: Neuroophthalmologische Sprechstunde vor allem als Konsiliareinrichtung für das UKE und für Patienten von außerhalb, z.B. für Patienten aus dem Allgem. Krankenhaus Ochsenzoll und anderen Hamburger Kliniken. Ferner eine Spezialsprechstunde für Amblyopie (in der Kindheit entstandene funktionelle Sehschwächen) und Differentialdiagnose von Sehminderung einseitig oder beidseitig, Schwerpunkt Kinder. Die Abteilung Pleoptik ist im gesamten Hamburger Raum und Umfeld die einzige Institution die eine Amblyopie-Differentialdiagnostik einschl. Elektrophysiologie (VECP, ERG) sowie Lokalisationsprüfungen und Crowding-Messungen betreibt. Die Ambulanz dient fernerhin der Beurteilung einer Operabilität oder nicht Operabilität von Kopfzwangshaltungen auf okulärer Basis, Strabismus, Doppelbildwahrnehmung und Nystagmus (Augenzittern).
Der Abteilung Pleoptik und Orthoptik ist eine Fachschule für Orthoptik angegliedert. Es handelt sich um eine Spezialausbildung auf dem Gebiete der Strabismologie und Neuroophthalmologie über 3 Jahre.
Klinische Untersuchungen, Beurteilungen und Begutachtungen sowie med. Versorgung von hochgradig sehschwachen Kindern.
Forschungsschwerpunkte
| 1. | Die Mitarbeiter der Abteilung haben bereits in den 80er Jahren Sehschärfeforschung betrieben und Methoden ausgearbeitet, die heute in der Praxis Anwendung finden: |
| 1.1. | Der H-Test nach Hohmann und Haase ist geeignet für Sehschärfemessungen bei präverbalen Kindern z.B. bei der U8 im Alter von 4 Jahren beim Kinderarzt. Das Verfahren ist validiert und wird schätzungsweise von etwa 4.000 Kinderärzten angewendet. |
| 1.2. | Der C-Test (ein Landoltring-Test) für Einzel- und Reihensehzeichen zur Diagnose und Therapieüberwachung aber auch Differentialdiagnose von Amblyopien. Auch dieser Test ist seit mehr als 10 Jahren im Gebrauch und wird von Spezialabteilungen für Strabismologie aber auch von niedergelassenen Augenärzten benutzt. |
| 2. | Schwerpunkt Entwicklung der Sehleistung vom Neugeborenen bis zum Erwachsenen: Für 6-jährige und 10-jährige Kinder wurde mittlere Sehschärfe an je etwa 500 Kindern in Hamburger Bezirken geprüft. Diese mittlere Sehschärfe unterscheidet sich von der physiologischen Sehschärfe dadurch, daß sie auch alle die Fälle mit Behinderungen und Krankheiten enthält. Meßergebnisse an 20-30jährigen gesunden Personen wurden zur Publikation eingereicht. |
| 3. | Zusammen mit Dr. V.F. Mautner, neurologische Klinik im AK Ochsenzoll, wird bei Patienten mit Neurofibromatose Typ 2 das klinische Spektrum erforscht. Die Abteilung Pleoptik und Orthoptik untersucht das ophthalmologische Spektrum bei NF 2 auch in der Kindheit. Auf diesem Gebiet sind bereits mehrere Arbeiten publiziert worden. |
| 4. | Amblyopieforschung: bei der funktionellen Sehschwäche (Amblyopie), die in der Kindheit entsteht, resultiert nicht nur eine verminderte Sehschärfe, sondern auch ein Umbau des Koordinatensystems und eine Verzerrung desselben. Dies führt in der Praxis zum "danebengreifen", "danebentreten" = gestörte Lokalisation. In Form mehrerer Dissertationen und Arbeiten mit dem eigenen Personal wurden die physiologischen Leistungen auf diesem Gebiet dokumentiert und die gestörte relative Lokalisation bei Patienten gemessen. Auch auf diesem Gebiet sind Teilergebnisse bereits publiziert worden. |
| 5. | Erforschung der Refraktionsentwicklung in der Kindheit: durch Untersuchungen von Säuglingen aus der Geburtsklinik und von Kindern die aus Vorsorgegründen vorgestellt wurden, kennen wir den normalen Verlauf der Refraktionsentwicklung im 1. und 2. Lebensjahr in großen Zügen, aber nicht genau genug, um daraus prognostische Schlüsse zu ziehen. Aus den eigenen Daten aus der Literatur kennen wir nur grobe Grenzwerte oberhalb derer Refraktionsfehler korrigiert werden sollen. Unser Ziel ist eine Korrelation zwischen der Höhe und der Art einer Refraktionsanomalie und der Wahrscheinlichkeit der Manifestation von Sehschwächen und Strabismus im Verlaufe der Kindheitsentwicklung. Zu diesem Zweck ist vorgesehen einen DFG-Antrag zu stellen, die Untersuchung muß sich über mindestens 4-5 Jahre erstrecken. Vorläufige Ergebnisse sind bereits publiziert worden. Die Abteilung arbeitet an einem Projekt der EU (Brüssel) zwischen europäischen Forschergruppen und lateinamerikanischen Forschergruppen mit. Ziel dieser Forschungen ist das gleiche wie oben beschrieben. Darüberhinaus soll ein Austausch von Studenten und "post graduates" vermehrt unter dem Namen "Alfa.Projekt" der EU stattfinden. |
| 6. | Die Abteilung Pleoptik ist beteidigt an einer multizentrischen und internationalen Studie (Leiter PD Dr. Simonsz, Amsterdam) mit dem Ziel, den optimalen Operationszeitraum zur chirurgischen Korrektion infantiler Esotropien herauszufinden. Die Auseinandersetzung im Schrifttum über den optimalen Zeitpunkt gehen über die letzten Jahrzehnte hinweg. Es ist bis heute nicht entschieden, ob man eher früh operieren, d.h. sofort nach Auftreten dieses Strabismus operieren soll oder ob man erst in dem Alter von 5-6 Jahren operieren soll. Für beide Ansichten gibt es harte Argumente. |
| 7. | In der Abteilung Pleoptik und Orthoptik wurden bereits in der Vergangenheit und werden immer noch Untersuchungen vorgenommen, welche die binokularen Funktionen bei Strabismus und nach Strabismusbehandlung einschl. der chirurgischen Behandlung dokumentieren. Die Überlegenheit der beidäugigen Wahrnehmung gegenüber der einäugigen beschränkt sich nicht nur auf die Frage des räumlichen Sehens (Stereoptis), sondern umfaßt ein breites Spektrum visueller Wahrnehmungen, wie z.B. eine überlegene binokulare Kontrastwahrnehmung. Auf diesem Gebiet wurden bereits eigene Veröffentlichungen beigetragen. Zur Zeit finden Messungen der dynamischen Stereopsis statt. |
| 8. | Untersuchung hochgradig sehschwacher Kinder mit dem Ziel einer Funktionsdiagnostik auch bei hochgradiger Sehschwäche und bei multiple geschädigten Kindern mit mangelhafter Kooperationsfähigkeit. |
Kongreßorganisation
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Anwendung in der Praxis
In die Praxis eingeführt sind bereits die Prüfungsmethoden der Sehschärfe im präverbalen Alter (H-Test) und zum Zwecke der Diagnostik und Differentialdiagnostik der Amblyopie (C-Test). Die Tests sind auf dem Markt erhältlich.
In der Praxis benutzt werden Operationsmethoden und Operationsinstrumente, die in der Abteilung Pleoptik und Orthoptik entwickelt worden sind, operative Therapie des A-Phänomen, V-, und des X-Phänomen. Instrumente zur Minimierung des Operationsrisikos.
Weiterbildungsangebote
Technische Ausstattung
Die Abteilung Pleoptik und Orthoptik verfügt über Spezialgeräte zur Untersuchung des beidäugigen Sehens, des räumlichen Sehens, statisch und dynamisch, der Sehschärfe für Einzel- und Reihensehzeichen, des Kontrastsehens, quantitativ meßbar ist auch die Handlungssicherheit in der Nähe bei Personen mit ungestörtem beidäugigen Sehen und bei solchen mit gestörtem beidäugigen Sehen oder gar Einäugigkeit (Eigenentwicklung).
Ausstattungsmängel
Die Geräte zu Routineuntersuchungen augenärztlicher Art der Abteilung sind fast alle veraltet. Ohne Drittmittelbeschaffungen wäre die Abteilung nicht mehr arbeitsfähig.
Die Abteilung arbeitet unter permanenten Personalmangel, was sich in der Zahl der Überstunden niederschlägt und andererseits dokumentiert wird durch eine halbjährige Wartezeit auf einen Operationsplatz und ebenso lange auf einen Platz in der Ambulanz. Die Ökonomisierung wird zu einem Qualitätseinbruch auf diesem Gebiet in der Medizin führen.
Drittmittel 1996
| Fördereinrichtung | Betrag |
| Warburg-Stiftung | 35.000 |
| Gesamtförderung | 35.000 |
Forschungsprojekte
| 4.153.01 | Unklare Augenmuskel- Operationen gegen Retinopathia pigmentosa - die sog. "Kuba-Therapie" und deren Nebenwirkungen |
| 4.153.02 | "Sehschärfe" - Entwicklung der Sehschärfe - Prüfungen in verschiedenen Altersabschnitten - Untersuchungsmethode bei Kindern und Erwachsenen |
| 4.153.03 | Amblyopieforschung |
| 4.153.04 | Klinische Evaluation bei Neurofibromatose Typ II - Ophtalmologisches Spektrum der Neurofibromatose Typ II |
| 4.153.05 | Studie zur Entwicklung der Refraktion im Kindesalter und ihrer Bedeutung für die Entwicklung von Strabismus und/oder Amblyopie |
| 4.153.06 | Frühoperationsstudie bei infantilem Strabismus |
| 4.153.07 | Qualitätskontrolle bei Operationen congenitaler Katarakte |