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19. Februar 2010

Stol­per­stei­ne an der Uni­ver­si­tät Ham­burg: Spen­den­auf­ruf


Am 22. April 2010 wer­den di­rekt vor dem Haupt­ge­bäu­de der Uni­ver­si­tät 10 Stol­per­stei­ne ver­legt. Sie sol­len an das Schick­sal von Men­schen er­in­nern, die durch das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Re­gime ge­walt­sam zu Tode kamen. Es sind in den Boden ein­ge­las­se­ne klei­ne Be­ton­wür­fel, des­sen obe­rer Ab­schluss eine Mes­sing­plat­te bil­det, auf der die Le­bens­da­ten der zu er­in­nern­den Per­son ein­gra­viert sind. Sie mar­kie­ren die Häu­ser, in denen die Opfer leb­ten oder wirk­ten.

Auch an un­se­rer Uni­ver­si­tät hat es Opfer ge­ge­ben: Elf Mit­glie­der der UHH wur­den durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten de­por­tiert und er­mor­det oder in den Frei­tod ge­trie­ben. An sie soll nun durch die Stol­per­stei­ne er­in­nert wer­den, die auf dem Bür­ger­steig der Ed­mund-Sie­mers-Al­lee vor dem Haupt­ge­bäu­de ver­legt wer­den.

Neben dem In­itia­tor des Stol­per­stei­ne-Pro­jekts, dem Bild­hau­er Gun­ter DEM­NIG, und den Mit­glie­dern des Prä­si­di­ums wer­den der Erste Bür­ger­meis­ter Ole VON BEUST und die Bi­schö­fin Maria JEP­SEN an­we­send sein. Die Set­zung der Stei­ne wird am 22. April um 10.30 Uhr er­fol­gen. An­schlie­ßend gibt es einen klei­nen Emp­fang im Foyer vor dem Aga­the-Lasch-Hör­saal (B), zu dem alle Mit­glie­der der Uni­ver­si­tät herz­lich ein­ge­la­den sind.

Die Stol­per­stei­ne wer­den üb­li­cher­wei­se durch Pa­ten­schaf­ten fi­nan­ziert. Die Kos­ten sind nicht hoch, sie be­tra­gen le­dig­lich 95 EUR pro Stol­per­stein. Um diese Pa­ten­schaft als ge­mein­sa­me An­ge­le­gen­heit in der Uni­ver­si­tät zu ver­an­kern, wurde der Vor­schlag ge­macht, die Stei­ne durch das En­ga­ge­ment ihrer Mit­glie­der zu fi­nan­zie­ren.

 „Wir freu­en uns, wenn mög­lichst viele Mit­glie­der der Uni­ver­si­tät nicht nur durch eine Spen­de, son­dern auch durch ihre Teil­nah­me an der Fei­er­stun­de dazu bei­tra­gen, die Er­in­ne­rung an die uni­ver­si­tä­ren Opfer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus als Mah­nung für die Ge­gen­wart und Ver­pflich­tung für die Zu­kunft wach­zu­hal­ten. Jede Spen­de für die Stol­per­stei­ne in jeg­li­cher Höhe ist will­kom­men“, so Vi­ze­prä­si­dent Fi­scher.

Alle Mit­glie­der der Uni­ver­si­tät wer­den in den nächs­ten Tagen dazu einen Brief er­hal­ten.

Das fol­gen­de Konto wurde für die Spen­den ein­ge­rich­tet:

Uni­ver­si­tät Ham­burg
Deut­sche Bank Ham­burg
BLZ 20070000
Kto. Nr. 080262930
Stich­wort: Stol­per­stei­ne Nr. 2781

Et­wai­ge Über­schüs­se wer­den für wei­te­re Maß­nah­men im Be­reich der Er­in­ne­rungs­kul­tur der Uni­ver­si­tät ein­ge­setzt, z.B. für Ge­denk­ta­feln in den Hör­sä­len oder im Foyer des Haupt­ge­bäu­des.

Die­ser Per­so­nen wird durch die Stol­per­stei­ne ge­dacht:


Ernst Delbanco
Dr. Ernst DEL­BAN­CO
Geboren am 21.2.1869 in Hamburg, war seit 1921 Honorarprofessor für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Medizinischen Fakultät. Zum 31.7.1933 wurde ihm als „Nichtarier“ die Lehrbefugnis entzogen. Ernst Delbanco beging am 31.3.1935 Selbstmord.




Hedwig Klein
Hed­wig KLEIN
Geboren am 19.2.1911 in Antwerpen, bestand am 18.12.1937 ihr Rigorosum mit dem Hauptfach Islamwissenschaft, erhielt aber als „Nichtarierin“ nicht den Doktorbrief. Der Kriegsausbruch erzwang ihre Umkehr von der Fahrt ins rettende Exil zurück nach Hamburg, von wo sie am 11.7.1942 nach Auschwitz deportiert wurde.



Aga­the Lasch
Prof. Dr. Aga­the LASCH
Geboren am 4.7.1879 in Berlin, war seit 1917 am Deutschen Seminar in Hamburg tätig und wurde 1923 die erste Professorin der 1919 gegründeten Universität. Von ihrer ao. Professor für Niederdeutsche Philologie als „Nichtarierin“ zum 30.6.1934 vertrieben, zog sie nach Berlin, von wo sie am 12.8.1942 in den Tod deportiert wurde.
Ger­ma­nis­tin, Sprach­for­sche­rin, erste Uni­ver­si­täts­pro­fes­so­rin an der Ham­bur­ger Uni­ver­si­tät


Ger­hard Lassar
Prof. Dr. Ger­hard LAS­SAR
Geboren am 16.2.1888 in Berlin, wurde 1925 Extraordinarius für Öffentliches Recht an der Hamburger Universität . Als „Nichtarier“ zum 1.1.1934 entlassen, zog er nach Berlin, wo er sich am 6.1.1936 das Leben nahm.





Martha Muchow
Dr. Mar­tha MUCHOW
Geboren am 25.9.1892 in Hamburg, war enge Mitarbeiterin William Sterns und seit 1929 Wiss. Rätin am Psychologischen Institut. Nach Sterns Verdrängung sollte sie in den Schuldienst zurückkehren; sie erlag am 29.9.1933 den Folgen eines Selbstmordversuches.




Kurt Perels
Prof. Dr. Kurt PE­RELS
Geboren am 9.3.1878 in Berlin, wurde 1909 auf den Lehrstuhl für Öffentliches Recht am Hamburger Kolonialinstitut berufen. Angesichts seiner bevorstehenden Entlassung als „Nichtarier“ von seinem Ordinariat und Richteramt nahm er sich am 10.9.1933 das Leben.




Hans Conrad Leipelt
Hans Kon­rad LEI­PELT
Geboren am 18.7.1921 in Wien, 1940 als „Halbjude“ aus der Wehrmacht entlassen, mußte sein im heimatlichen Hamburg begonnenes Chemiestudium zum WS 1941/42 in München fortsetzen. Dort organisierte er eine Geldsammlung zur Unterstützung der Witwe des hingerichteten Professors Kurt Huber und verbreitete mit anderen Studenten regimekritische Nachrichten. Er hatte entscheidenden Anteil an der Information seiner Hamburger Freunde über die Münchener „Weiße Rose“. Am 8.10.1943 in München verhaftet, wurde er am 13.10.1944 vom Volksgerichtshof wegen „Wehrzersetzung und Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und am 29.1.1945 in München Stadelheim ermordet.


Reinhold Meyer
Rein­hold MEYER
Geboren am 18.7.1920 in Hamburg, war Juniorchef der „Buchhandlung der Agentur des Rauhen Hauses“ in Hamburg, wo er auch Germanistik studierte. Als Angehöriger eines regimefeindlichen Freundeskreises am 19.12.1943 verhaftet, kam er ins Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel. Nach mehrmonatiger Haft im KZ Neuengamme starb er unter ungeklärten Umständen am 12.11.1944 in Fuhlsbüttel.


Margaretha Rothe
Mar­ga­re­tha ROTHE
Geboren am 13.6.1919 in Hamburg, wurde als Medizinstudentin an der Hamburger Universität am 9.11.1943 wegen ihrer Zugehörigkeit zu einem Freundeskreis von Regimegegnern verhaftet. Nach mehreren Stationen in deutschen Gefängnissen starb sie während der Haft am 15.4.1945 an den Folgen einer Lungentuberkulose in Leipzig-Dösen.


Friedrich Geussenhainer
Fried­rich GE­US­SEN­HAI­NER
Geboren am 24.4.1912 in Neumünster, wurde als Famulus im Universitätskrankenhaus Eppendorf wegen seiner Opposition zur Nazi-Diktatur im Juli 1943 verhaftet. Nach Verlegung von Fuhlsbüttel in das KZ Neuengamme im Mai 1944 wurde er am 7.10.1944 in das KZ Mauthausen überführt, wo er Ende April 1945 umkam.





Kontakt:

Dr. Claudine Hartau
Persönliche Referentin des
Vizepräsidenten für Studium und Lehre

Tel. 040.42838-5293
E-Mail: claudine.hartau@uni-hamburg.de


 

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